
Gipfel in Johannesburg: BRICS Währung: Neue Weltordnung voraus?
Die BRICS erweitern ihren Kreis und repräsentieren künftig 37 % des weltweiten BIP und 46 % der Weltbevölkerung. Nun wird auch eine BRICS Währung diskutiert. Könnte diese dem USD den Rang ablaufen und eine neue Weltordnung begründen?
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Was ist die BRICS Währung?
Die BRICS-Staaten (das Kürzel steht für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) haben auf ihrem Gipfel in Johannesburg am Donnerstag eine Erweiterung ihres Bündnisses beschlossen. Zum 1. Januar 2024 sollen Saudi-Arabien, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Argentinien, Ägypten und Äthiopien in den Kreis aufgenommen werden, der dann wohl als BRICS+ firmieren wird.
Chinas Präsident Xi Jinping sieht darin eine "historische Erweiterung" und will die Weltordnung auf diesem Weg neu - d.h. mit weniger westlichem Einfluss – gestalten. Potenzial besteht: Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva wies darauf hin, dass die erweiterten BRICS-Staaten 37 Prozent der Weltwirtschaftsleistung und 46 Prozent der Weltbevölkerung repräsentierten.
Im Gespräch ist auch eine BRICS Währung. Diese soll nach dem Willen der BRICS-Staaten eine Konkurrenz zum US-Dollar darstellen. Details sind noch nicht bekannt. Auf dem Gipfel sind auch keine konkreten Beschlüsse zur Einführung einer BRICS Währung zu erwarten – dafür sind zu viele Fragen offen.
Mit einer künftigen eigenen Währung könnten die Mitglieder ihren zwischenstaatlichen Handel abwickeln und wären dann nicht mehr auf den US-Dollar angewiesen. Bislang werden die meisten Handelsströme in USD abgerechnet – auch und gerade im Rohstoffsektor. Diese könnte sich mit einer BRICS Währung ändern.
ECU als Vorbild für BRICS Währung?
Mit der New Development Bank verfügt das Bündnis bereits über eine eigene Entwicklungsbank. Diese könnte mit der Ausarbeitung von Plänen für eine BRICS Währung beauftragt werden.
Es ist unwahrscheinlich, dass sich die BRICS auf einen einheitlichen Währungsraum einigen, wie es ihn mit der Eurozone gibt – jedenfalls auf Sicht der nächsten Jahrzehnte. Dafür sind die Interessen der Mitglieder und ihre ökonomischen Voraussetzungen zu unterschiedlich.
Als Übergangsweg könnte eine Verrechnungswährung nach dem Vorbild der ECU (European Currency Unit) dienen. ECU war von 1979 bis 1998 die Rechnungseinheit der Europäischen Gemeinschaften (EG), der späteren Europäischen Union (EU) und Vorläufer des Euro und wurde am 1. Januar 1999 im Umrechnungsverhältnis 1:1 durch den Euro ersetzt.
Der Wert der ECU gegenüber anderen Währungen ergab sich aus den Gewichtungen der einzelnen im Währungskorb enthaltenen Währungen wie Deutsche Mark, Französischer Franc oder Britisches Pfund. Die Rechnungseinheit als Vorläufer einer BRICS Währung würde dann etwa Yuan, Real, Rubel und Rupie enthalten.
Könnte eine BRICS Währung zur Gefahr für den USD werden?
Wenn China und Co. nach einer veränderten Weltordnung rufen, ist primär eine Schwächung des Westens gemeint. Die BRICS Währung soll eines Tages den USD schwächen und damit die Vorherrschaft der USA im Handel beenden. Bislang werden nahezu alle Güter im Welthandel in USD gehandelt – von denen sich die USA beliebig viele drucken kann. Dies festigt den Status als Weltmacht.
Ob eine BRICS-Währung tatsächlich zu einer Bedrohung des USD werden könnte, hängt von verschiedenen Umständen ab. Dazu müsste die Währung in großem Umfang genutzt werden und dauerhaft stabil sein. Das Potenzial dazu besitzen die Mitgliedstaaten. Die Umsetzung gilt jedoch als extrem komplex.
US-Finanzministerin Janet Yellen jedenfalls will derzeit keine Bedrohung für den Greenback erkennen. In absehbarer Zukunft gebe es keine Alternative zur US-Währung. Derzeit werden 88 % der Devisengeschäfte in USD abgewickelt – in etwa so viel wie vor 20 Jahren. Bei den weltweiten Devisenreserven liegt der Anteil des USD bei 60 %.
BRICS Währung mit Golddeckung?
Spekuliert wird, dass die BRICS Währung mit einer Golddeckung ausgestattet werden könnte. Dabei wird ein fixes Austauschverhältnis zu Gold festgelegt. Die Goldbestände der involvierten Zentralbanken dienen dann als Sicherheit für die Währung, die dadurch nicht beliebig vermehrt werden könnte. Die Vergangenheit lehrt allerdings, dass solche Bindungen rasch aufgehoben werden können, wie es 1971 durch US-Präsident Richard Nixon vollzogen wurde.
Bis eine BRICS Währung eine neue Weltwährungsordnung einläutet, könnte es deshalb noch etwas dauern. Zweifel sind ohnehin angebracht: Die BRICS+-Staaten eint zwar ein gemeinsames Ziel – ansonsten sind die Gemeinsamkeiten aber überschaubar.