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GeldanlageFremdwährungen: 10 % Realzins gefällig?

Die EZB erhöht die Zinsen, doch der Realzins bleibt negativ. Mit Anlagen in Fremdwährung können Sparer deutlich höhere Erträge erzielen. Ein großes Land bietet derzeit fast 10 % Realrendite – und die Chance auf Wechselkursgewinne kommt noch obendrauf.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: Jirkaejc / 123RF

Der Realzins ist der Zins, der sich aus dem Nominalzins abzüglich der Inflationsrate ergibt. Seit dem 21. Juni liegt der Leitzins in der Eurozone bei 4 %. Da der Einlagenzins der EZB bei 3,5 % liegt, erhalten Sparer für kurzfristige Anlagen wie Tagesgeld in der Regel auch maximal 3,5 %. Die Inflationsrate in Deutschland könnte im Juni allerdings fast doppelt so hoch liegen. Unterm Strich verlieren Sparer damit zwar kein Geld, aber Kaufkraft.

13 % Zinsen bei 4 % Inflation

Doch es geht auch anders, wie ein Blick nach Brasilien zeigt. Der Leitzins im größten südamerikanischen Land liegt seit August 2022 bei 13,75 %. Zwei Jahre zuvor lag der Leitzins noch bei 2 %, bevor die Notenbank eine lange Serie mit starken Zinserhöhungen startete. Das Ziel: Die Inflationsraten senken. Die Jahresinflation Brasiliens lag 2022 bei durchschnittlich knapp 9,3 %. Aktuell liegt die Inflation leicht unter 4 %. Der Realzins liegt deshalb bei fast 10 %.

Theoretisch könnten Anleger über Fremdwährungskonten Geld in der Landeswährung Real anlegen. Das Angebot an solchen Konten ist jedoch überschaubar. Deshalb kann der Weg in den Brasilianischen Real über Staatsanleihen des Landes erfolgen. Hier sind bei Laufzeiten von 3-12 Monaten 12,6 % bis 14,7 % Rendite möglich.

Anlegen in Fremdwährungen und das Wechselkursrisiko

Wer in eine fremde Währung investiert, trägt das Wechselkursrisiko. Sollte der Real deutlich abwerten, könnte trotz der hohen Verzinsung am Ende ein Verlust stehen. Umgekehrt würde eine Aufwertung der Währung Brasiliens den ansehnlichen Zinsgewinn noch weiter erhöhen.

Der BRL notierte von Juni 2022 bis April 2022 in einer Spanne von 5,0-5,5 USD. Im Frühjahr kam es jedoch zu einer Aufwertung. Aktuell werden am Devisenmarkt knapp 4,8 BRA pro USD bezahlt. Wie geht es mit dem Wechselkurs weiter?

Generell gehörte der Real in den letzten 18 Monaten zu den stärksten Schwellenländerwährungen. Ein Grund dafür sind die starken Exporterlöse. Das Land exportiert etwa Zucker, Kaffee, Sojabohnen, Orangensaft, Tabak, aber auch Rind- und Hühnerfleisch sowie Erdöl- und Erdölerzeugnisse. Der Wert der Exporte legte seit Anfang 2021 um 60 % zu. Dadurch verbesserte sich die Haushaltssituation.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund: Das Vertrauen der Märkte in die Notenbank durch eine Gesetzesreform. Diese wurde unter dem ehemaligen Präsidenten Michel Temer angestoßen und unter dessen Nachfolger Jair Bolsonaro umgesetzt und sieht die Führung der Zentralbank durch einen unabhängigen Gouverneur vor – seit 2019 ist das Roberto Campos Neto. Vor der Reform unterstand die Geldpolitik Minister aus dem Regierungskabinett.

Die Brasilianische Zentralbank war in der ausgehenden Coronakrise eine der ersten Notenbanken, die mit Zinserhöhungen auf steigende Inflationsraten reagierte. Forderungen des Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva nach Zinssenkungen verhallten.

Carry Trades könnten Real noch länger stützen

Auch in Brasilien gibt es – vor allem politisch bedingte – Unsicherheiten. So will die Regierung eine unter Temer eingeführte Ausgabenbremse streichen und das amtliche Inflationsziel aufweichen. Außerdem könnte die Notenbank irgendwann von sich aus mit Zinssenkungen beginnen, wenn die Inflation weiter nachlässt.

Ungeachtet dessen sprechen insbesondere Carry Trades für eine weiter starke Nachfrage nach Real. Bei Carry Trades leihen sich Anleger in Währung A Geld zum Zinssatz X und legen es in Währung B zu einem höheren Zinssatz als X an. Bleibt der Wechselkurs bis zur Fälligkeit der Anlage konstant, wird ein sicherer Gewinn erzielt.

Aktuell und auch in der nächsten Zeit scheint der Brasilianische Real die attraktivste Zielwährung für Carry Trades zu sein. Eine systematische Überbewertung ist gleichzeitig nicht zu erkennen. Eine wieder anziehende Konjunktur beim größten Handelspartner China oder auch Fortschritte beim MERCOSUR-Abkommen könnten für positive Überraschungen sorgen. Wer das Risiko von Fremdwährungsanleihen nicht scheut, könnte am Zuckerhut deshalb gut aufgehoben sein.

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