
Fed Zweifel drücken Edelmetalle: Gold geht nach US Arbeitsmarktbericht auf Wochentief
Ein stärker als erwarteter US Arbeitsmarktbericht dämpft die Hoffnung auf eine Zinssenkung im Dezember. Gold rutscht auf Wochentief, der Dollar legt zu, doch UBS hebt das mittelfristige Kursziel an.
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Der Goldpreis hat zum Wochenschluss nachgegeben, weil ein robuster US Arbeitsmarktbericht die Hoffnung auf eine Zinssenkung der US Notenbank im Dezember schmälert. Zeitweise fiel der Spotpreis auf rund 4.052,58 USD je Feinunze und liegt damit im Wochenvergleich knapp 0,7 % im Minus, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Terminkontrakte auf Gold für Dezember gaben ebenfalls nach und notierten zuletzt um 4.050,30 USD je Feinunze. Trotz der Korrektur bleibt das Edelmetall auf Jahressicht deutlich im Plus und liegt weiter unter dem Rekordhoch von 4.381,22 USD aus dem Oktober.
Stärkerer US Arbeitsmarkt dämpft Zinssenkungsfantasie
Auslöser der jüngsten Schwäche ist der verspätet veröffentlichte Arbeitsmarktbericht für September. Das US Arbeitsministerium meldete einen Zuwachs von 119.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft und damit mehr als das Doppelte der zuvor erwarteten 50.000 Stellen. Der Bericht war wegen eines Regierungsstillstands verschoben worden.
Die Daten stützen das Bild einer zwar abkühlenden, aber noch stabilen Wirtschaft. Genau dieses Szenario erschwert der US Notenbank die Entscheidung für rasche weitere Zinssenkungen. Laut Terminmarktdaten, auf die sich Reuters beruft, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Dezember nur noch bei knapp 40 %.
Bereits im Oktober hatte die Fed die Leitzinsen gesenkt, obwohl mehrere Notenbanker vor steigenden Inflationsrisiken und einem möglichen Vertrauensverlust in die Geldpolitik gewarnt hatten. Chicago Fed Präsident Austan Goolsbee erklärte jüngst, er sei unwohl mit zu früh gebündelten Zinsschritten, solange der Fortschritt bei der Inflation stocke.
Der Metallstratege Peter Grant vom Analysehaus Zaner Metals sagte zu Reuters, der Bericht bestätige das Bild eines verlangsamten, aber stabilen Jobmarkts. Eine Zinssenkung im Dezember erscheine nun deutlich unwahrscheinlicher, was zusätzlichen Druck auf Gold ausübe.
Fester US Dollar und Renditen belasten die Nachfrage
Parallel zu den Jobdaten legte der US Dollar gegenüber vielen wichtigen Währungen zu. Ein stärkerer Greenback macht Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer und dämpft so die physische Nachfrage. Der Dollar Index steuert nach Angaben von Reuters auf seine stärkste Woche seit mehr als einem Monat zu.
Im Handel berichten Marktteilnehmer von Gewinnmitnahmen nach der starken Goldrally der vergangenen Monate. Brian Lan, Chef des in Singapur ansässigen Händlers GoldSilver Central, sprach bei Reuters von einer Konsolidierung. Viele Anleger seien unsicher, ob die Fed den Zinssenkungskurs fortsetzt oder eine längere Pause einlegt, und nähmen zum Jahresende Gewinne mit.
Auch die physische Nachfrage in Asien bleibt verhalten. Händler in wichtigen Märkten wie China und Indien melden, dass die Schwankungen bei Zinsen und Wechselkursen potenzielle Käufer zurückhaltend machen. Für Gold als zinsloses Anlagegut sind steigende oder höher erwartete Renditen von Staatsanleihen ein direkter Wettbewerber.
Analysten bleiben für Gold mittelfristig zuversichtlich
Trotz der kurzfristigen Schwäche bleibt die mittelfristige Einschätzung vieler Analysten positiv. Die Bank UBS Grouphat ihr Kursziel für Gold zur Jahresmitte 2026 um 300 auf 4.500 USD je Feinunze angehoben. Zur Begründung verweist UBS laut Reuters auf erwartete Zinssenkungen in den kommenden Jahren, anhaltende geopolitische Spannungen und robuste Käufe von Zentralbanken und börsengehandelten Fonds.
Gold ist in diesem Jahr bereits um rund 55 % gestiegen. Treiber waren unter anderem die Lockerung der Geldpolitik, Sorgen um die Weltkonjunktur und politische Konflikte. Viele Zentralbanken haben ihre Goldbestände zuletzt weiter ausgebaut, um ihre Währungsreserven breiter zu streuen.
Der Fokus der Märkte richtet sich nun auf den nächsten großen Datenblock aus dem US Arbeitsmarkt. Wegen des Regierungsstillstands wird die Statistikbehörde die Berichte für Oktober und November in einer kombinierten Veröffentlichung Mitte Dezember vorlegen, also nach der kommenden Fed Sitzung. Je nachdem, wie diese Zahlen ausfallen, könnten die Erwartungen für Zinsschritte und damit auch der Goldpreis erneut deutlich reagieren.
Andere Edelmetalle standen ebenfalls unter Druck. Silber fiel zuletzt auf etwa 49,69 USD je Feinunze, Platin lag bei 1.502,80 USD und Palladium bei 1.358,06 USD. Damit zeigt sich, dass die vorsichtigere Zinsfantasie und der starke Dollar nicht nur Gold, sondern den gesamten Edelmetallkomplex treffen.

