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Digitale VerwundbarkeitCyberattacken werden zum Betriebsrisiko – Integrated Quantum Technologies baut Schutz aus

Der jüngste Angriff auf Boston Scientific zeigt, wie schnell Cyberrisiken Produktion, Aufträge und Lieferketten treffen. Während Unternehmen ihren Schutz breiter aufstellen, verbindet Integrated Quantum Technologies klassische Cyberabwehr mit sicherer KI-Infrastruktur.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 8 min
Titelbild: Sashkin / Bigstock, mit KI bearbeitet

Ein Cyberangriff bei Boston Scientific verdeutlicht, wie eng IT-Sicherheit und operative Lieferfähigkeit inzwischen miteinander verbunden sind. Bei dem US-Medizintechnikkonzern sind Systeme für Bestellungen und den Versand an Kunden weiterhin beeinträchtigt. Boston Scientific arbeitet inzwischen an einer schrittweisen Wiederherstellung der betroffenen Abläufe. Wann alle betroffenen Funktionen wiederhergestellt sein werden, ist zurzeit offen.

Boston Scientific selbst spricht von einem Netzwerkausfall und Störungen des weltweiten Betriebs. Nach Entdeckung des Vorfalls am 25. August zog der Konzern externe Cybersicherheitsspezialisten hinzu. Die Untersuchung zu Umfang, Art und möglichen finanziellen Folgen dauert noch an.

IT-Ausfall wird zum Umsatzrisiko

Bei Boston Scientific trifft die Attacke Systeme, die unmittelbar mit dem physischen Warenfluss verbunden sind. Der Konzern nutzt IT- und Betriebstechnologie für die Herstellung und den Versand seiner Produkte. Verzögert sich die Wiederherstellung, kann sich ein technisches Problem deshalb in den Geschäftszahlen niederschlagen.

Die Größenordnung ist erheblich. Im zweiten Quartal erzielte Boston Scientific rund 5,4 Mrd. USD Umsatz. Vor dem Angriff hatte der Konzern für das dritte Quartal ein Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent prognostiziert. Die Aktie verlor nach Bekanntwerden des Vorfalls zeitweise rund vier Prozent.

Wie teuer längere Ausfälle werden können, zeigt der Medizintechnikkonzern Stryker. Nach Einschätzung von Vijay Kumar vom US-Analysehaus Evercore ISI dauerte die Wiederherstellung nach der Cyberattacke Anfang des Jahres ungefähr drei Wochen. Betroffen waren ebenfalls Bestellabwicklung, Produktion und weltweite Lieferungen. Später bewertete Stryker den Vorfall als geschäftlich erheblich und bestätigte Auswirkungen auf das erste Quartal. Höhere Herstellungs- und Lieferkettenkosten führte der Konzern teilweise auf Produktionsstillstände infolge des Angriffs zurück.

Für Boston Scientific hält Kumar bei einem vergleichbaren Verlauf einen Umsatz-Effekt von sechs bis sieben Prozentpunkten für möglich. Das Unternehmen selbst hat bislang nicht festgestellt, ob der Angriff voraussichtlich wesentliche Auswirkungen auf das Geschäft haben dürfte.

Cyberangriffe treffen Unternehmen auf vielen Wegen

Boston Scientific und Stryker stehen in einer breiteren Serie von Vorfällen. Die Nachrichtenagentur Reuters dokumentierte allein in diesem Jahr Attacken im Gesundheitswesen, in der Konsumgüterindustrie, im Tourismus, in der Technologiebranche und im Finanzsektor.

Dabei können Angriffswege und Schäden sehr unterschiedlich ausfallen. Bei der US-Wirtschaftskanzlei Blank Rome gab sich beispielsweise eine Cybergruppe als IT-Abteilung aus und brachte einen Anwalt dazu, Dateien hochzuladen. Laut einer Sammelklage wurden persönliche Daten von mehr als 57.500 aktuellen, ehemaligen und potenziellen Mandanten offengelegt.

Beim Getränkehersteller fairlife hatte unbefugter Zugriff auf Systeme einschließlich produktionsbezogener Technik operative Folgen. Das Unternehmen setzte seine US-Produktion zeitweise aus. Andere Angriffe nutzen Schwachstellen, kompromittierte Mitarbeiterkonten oder Schadsoftware.

Die Cyberabwehr muss daher mehrere Ebenen zugleich abdecken, von Mitarbeitern und Endgeräten bis zu Identitäten, Anwendungen und technischen Schwachstellen. Dabei kommen häufig mehrere Sicherheitssysteme parallel zum Einsatz. Warnungen und Risikodaten müssen aus unterschiedlichen Anwendungen zusammengeführt und eingeordnet werden.

Cyberabwehr muss mehrere Ebenen verbinden

Integrated Quantum Technologies ISIN CA45836R1055 WKN A423XJ, vormals Integrated Cyber Solutions, kombiniert dafür verwaltete Cybersicherheitsdienste mit eigener Software. Zum Portfolio des Anbieters für Cybersicherheit und sichere KI-Infrastruktur gehören Sicherheitsschulungen, Schwachstellenanalysen, kontinuierliche Überwachung sowie die betreute Erkennung und Abwehr von Angriffen.

Einer der Bausteine ist SecureGuard360. Die Plattform ist darauf ausgelegt, Daten aus mehreren bestehenden Sicherheitssystemen in einer gemeinsamen Umgebung zu bündeln. So sollen etwa Risiken bei Nutzern, Endgeräten oder Standorten leichter zusammenhängend erkennbar werden.

Die ersten vorgesehenen Anbindungen zeigen, welche Bereiche zusammenlaufen sollen. So verwaltet Microsoft Entra Identitäten und Zugriffsrechte, KnowBe4 deckt unter anderem Sicherheitsschulungen ab, Microsoft Endpoint Protection steht für den Schutz von Endgeräten.

KI-Daten schaffen eine zusätzliche Schutzebene

Parallel zum klassischen Cybersicherheitsgeschäft baut Integrated Quantum Technologies sein Angebot für Unternehmen aus, die künstliche Intelligenz mit sensiblen Daten einsetzen. Je stärker KI in operative Prozesse, Analysen und Entscheidungsmodelle einzieht, desto mehr Unternehmens- und Kundendaten gelangen in entsprechende Datenketten.

Das erste kommerzielle Produkt dieser Strategie ist VEIL. Die Technologie verändert sensible Ausgangsdaten, bevor sie in KI-Modelle einfließen. Maschinelles Lernen soll dadurch mit geschützten Daten möglich sein, ohne die ursprünglichen Informationen innerhalb des Modellprozesses in Rohform offenzulegen.

Seit Juni ist VEIL als Anwendung in der AI Data Cloud von Snowflake verfügbar. Snowflake ist ein US-Anbieter einer Cloud-Plattform, auf der Unternehmen Daten, Anwendungen und KI-Systeme verwalten und miteinander verbinden können.

Vom öffentlichen Test zur Kommerzialisierung

Für VEIL suchte Integrated Quantum Technologies zuletzt auch einen öffentlichen Härtetest. Auf Kaggle, einer Plattform für Datenwissenschaftler und KI-Wettbewerbe, sollten Teilnehmer versuchen, aus geschützten Datensätzen die ursprünglichen Informationen wiederherzustellen.

Bis zum Abschluss des Wettbewerbs im Juli gelang dies keinem Teilnehmer, der dafür ausgeschriebene Hauptpreis blieb unbeansprucht. Nach den vorgegebenen Wettbewerbskriterien erreichte keine Einreichung eine vollständige Rekonstruktion der Ausgangsdaten.

Bei Integrated Quantum Technologies stehen damit zwei Sicherheitsbereiche nebeneinander. Verwaltete Cybersicherheitsdienste und SecureGuard360 richten sich auf die laufende Abwehr und Überwachung, VEIL auf den Schutz sensibler Daten in KI-Anwendungen.

Integrated Quantum Technologies stellt sich organisatorisch neu auf

Die stärkere Ausrichtung auf KI-Infrastruktur spiegelt sich inzwischen auch formal im Unternehmen wider. Die Umbenennung in Integrated Quantum Technologies wurde am 30. Juli wirksam. Seit dem 5. August handelt die Aktie an der Canadian Securities Exchange unter dem ebenfalls VEIL lautenden Kürzel.

Zudem führt seit dem 25. August Husam Fezzani das Unternehmen. Er löste Alan Guibord ab, der den Vorsitz des Verwaltungsrats übernahm. Fezzani war zuvor unter anderem Global Head of Engineering bei der britischen Großbank HSBC. Bei Integrated Quantum Technologies verantwortet er Unternehmensstrategie, operatives Geschäft und kommerzielles Wachstum.

Die nächste Etappe ist bereits konkreter umrissen. Integrated Quantum Technologies nennt Pilot- beziehungsweise Proof-of-Concept-Projekte mit Unternehmen sowie Produktiveinsätze von VEIL als wichtige Schritte der Kommerzialisierung. Auch der Ausbau von Kunden- und Partnerbeziehungen gehört zu den kurzfristigen Prioritäten.

Wie viel Geld inzwischen in den Schutz digitaler Geschäftsprozesse fließt, zeigt eine aktuelle Marktprognose. Das US-Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet für 2026 weltweit Ausgaben für Informationssicherheit von 244 Mrd. USD, bei konstanten Wechselkursen rund 11,6 % mehr als im Vorjahr. Zugleich nennt das Analysehaus die Absicherung der KI-Nutzung als eine wachsende Aufgabe für Sicherheitsprodukte.