
Derivatehandel: Eurex Clearing startet DLT Lösung im Collateral Management
Sicherheiten sollen künftig leichter bewegt und damit effizienter genutzt werden können. Die durch Eurex Clearing nun vorgestellte Technologie ist Tokenisierung sehr ähnlich.
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Eurex Clearing hat einen DLT-gestützten Service zur Mobilisierung von Sicherheiten (Collateral Mobilization) eingeführt. Mit der ersten Transaktion mobilisierte J.P. Morgan Wertpapiersicherheiten für den niederländischen Pensionsfondsinvestor PGGM von einem anderen Verwahrort zu Clearstream Banking SA, um sie dort als Margin-Sicherheiten bei Eurex Clearing zu verwenden.
"Mobilität von Sicherheiten deutlich verbessern"
Eurex Clearing zufolge soll die Lösung "die Mobilität von Sicherheiten deutlich verbessern" und "Kunden eine effiziente Verwaltung ihres Sicherheitenbedarfs in den dynamischen Märkten" ermöglichen. Der Service ermöglicht den sofortigen Zugriff auf Wertpapiersicherheiten über Depotbanken und Zentralverwahrer (CSDs). Die Sicherheiten werden anschließend an Clearstream übertragen und bei Eurex Clearing als Margin-Sicherheiten hinterlegt.
Die Lösung soll einige typische Probleme im Collateral Management lösen. Ein Problem ist die Fragmentierung von Sicherheiten: Diese können bei verschiedenen Verwahrstellen aufbewahrt werden, die Verschiebung von Sicherheiten zwischen diesen Stellen ist bislang aufwändig, wodurch der Sicherheitenpool nicht effizient genutzt wird. So wird z. B. für eine bestimmte Margin-Anforderung nicht die kostengünstigste Sicherheit verwendet, sondern die, die gerade verfügbar ist.
Unabhängig vom Lagerungsort auf Wertpapiere zugreifen und als Sicherheit einsetzen
Mit der nun eingeführten Lösung sollen Kunden unabhängig vom physischen Standort von Wertpapieren sofort auf diese zugreifen und sie als Sicherheiten verwenden können.
Die nun durch Eurex Clearing eingeführte Lösung basiert auf der Technologie des DLT-Spezialisten HQLAx gibt keine Token aus, sondern verwendet ein DLT-basiertes digitales Sicherheitenregister, das das rechtliche Eigentum an Wertpapieren und alle Eigentumsübertragungen erfasst", erläuterte das Unternehmen in einem Blogbeitrag bereits im Jahr 2023.
Einfacher integrierbar als Tokenisierung
Diese "Books and Records"-Implementierung eines DLT lasse sich einfacher in Börsen und bestehende Post-Trade-Infrastrukturen integrieren als Lösungen, die eine Tokenisierung von Wertpapieren erforderten.
"Wertpapiere bewegen sich nicht mehr in der Custody-Kette und dem zugehörigen traditionellen Ledger. Das digitale Sicherheitenregister wird zum goldenen Quelldatensatz für den Wertpapierbesitz, verfolgt Wertpapiere auf ISIN-Ebene und ermöglicht eine sofortige, atomare Bruttoabwicklung", hieß es in dem Beitrag weiter.
Die Plattform ermögliche Marktteilnehmern eine "reibungslose, präzise und in Echtzeit erfolgende Mobilität" von Sicherheiten - und zwar über Eigentumsübertragungs- und Verpfändungsstrukturen hinweg.
Anja Kleefsman, Head of Treasury & Liquidity Management bei PGGM, sieht in der DLT-Lösung Vorteile. "Die Optimierung unseres Sicherheitenmanagements hat für uns oberste Priorität, und ein wichtiges Element ist dabei die einfache Übertragung von Sicherheiten. Der sofortige Zugriff auf und die Mobilisierung von Sicherheiten durch diese DLT-basierte Technologie ist ein großer Fortschritt."
Neben einem schnelleren und unkomplizierteren Zugriff könnte die DLT Lösung von Eurex Clearing weitere Probleme im Collateral Management lösen. So entstehen beim physischen Verschieben von Sicherheiten Abwicklungsrisiken (so könnte z. B. eine Lieferung ohne Bezahlung erfolgen).
Die DLT-Lösung reduziert Abstimmungsbedarf und minimiert menschliche Fehler. Gerade die Abstimmung von Sicherheitenpositionen, die Verwaltung von Margin Calls und die Abwicklung von Sicherheitenersatz sind oft kostenintensiv - und künftig womöglich deutlich billiger.