
Chipbündnisse: Cloud-Riesen verlagern den Wettbewerb auf ganze KI-Plattformen
Der KI-Boom verändert die Halbleiterbranche: Rechenleistung, Energieeffizienz und Lieferfähigkeit werden zu strategischen Faktoren. Große Technologieanbieter setzen deshalb verstärkt auf eigene Lösungen, maßgeschneiderte Chips und mehrere Lieferanten zugleich.
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Zwei Schwergewichte im KI-Geschäft binden die Chipentwicklung enger an ihre jeweiligen Ökosysteme. Der US-Technologiekonzern Amazon ISIN US0231351067 WKN 906866 arbeitet im Rechenzentrumsgeschäft langfristig mit dem Halbleiterspezialisten Qualcomm ISIN US7475251036 WKN 883121 zusammen. Parallel vertieft das KI-Unternehmen OpenAI bei Chips der nächsten Generation die Zusammenarbeit mit dem südkoreanischen Elektronikhersteller Samsung Electronics ISIN KR7005930003 WKN 888322. Beide Vorstöße zeigen, wie sich der Wettbewerb von einzelnen Prozessoren auf komplette Hardwareplattformen verlagert.
Amazon stärkt Qualcomms Rechenzentrumspläne
Die Amazon-Qualcomm-Vereinbarung ist wirtschaftlich klar umrissen. Qualcomm erklärte, Amazon könne im Rahmen der langfristigen Partnerschaft Produkte für bis zu 60 Mrd. USD kaufen. Die Vereinbarung umfasst maßgeschneiderte Chips für KI-Inferenz, also das Ausführen bereits trainierter Modelle für konkrete Nutzeranfragen.
Hinzu kommt optische Verbindungstechnik für Datenraten bis 1,6 Terabit pro Sekunde. Solche Verbindungen transportieren Daten zwischen Recheneinheiten und werden mit wachsender Modellgröße wichtiger. Teil der Vereinbarung sind außerdem Aktienbezugsrechte für Amazon, die bei bestimmten Produktkäufen schrittweise wirksam werden. Sie erlauben den Erwerb von Qualcomm-Aktien zu 161,26 USD je Stück und haben einen rechnerischen Wert von rund 4 Mrd. USD.
Amazon bringt bereits ein eigenes Chipgeschäft in erheblicher Größenordnung mit. Ende Juni bezifferte der Konzern dessen auf ein Jahr hochgerechneten Umsatz auf mehr als 25 Mrd. USD. Gegenüber dem Vorjahr wuchs das Geschäft mit einer dreistelligen Rate. Amazons Cloud-Sparte AWS setzt mit Trainium bereits auf selbst entwickelte KI-Beschleuniger. Trainium ist eine eigene Chipfamilie für das Training und die Ausführung von KI-Modellen.
Für Qualcomm ist die Partnerschaft ein wichtiger Baustein beim Ausbau seiner Rechenzentrumsaktivitäten. Der Halbleiterhersteller will sich unabhängiger vom Smartphone-Markt machen und setzt dafür stärker auf Rechenzentren. Bis zum Geschäftsjahr 2029 peilt Qualcomm in diesem Bereich mehr als 15 Mrd. USD Umsatz an.
OpenAI baut sein Chipnetz weiter aus
OpenAI hat die vertiefte Zusammenarbeit mit Samsung öffentlich bestätigt. Harrison Kim, Leiter von OpenAI Korea, sprach von gemeinsamer Produktion und Forschung an der nächsten Chipgeneration. Technische Details, finanzielle Größen oder ein konkretes Projekt nannte er nicht.
Samsung selbst äußerte sich zu diesen Angaben nicht näher und erklärte der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber lediglich, kundenbezogene Informationen nicht bestätigen zu können.
Broadcom als Chiparchitekt
Bei Broadcom ist OpenAIs Chipstrategie bereits deutlich weiter konkretisiert. Im Juni 2026 stellte das Unternehmen gemeinsam mit Broadcom ISIN US11135F1012 WKN A2JG9Z Jalapeño vor, seinen ersten eigenen Inferenzbeschleuniger. Gefertigt werden soll der Chip vom taiwanischen Auftragsfertiger TSMC. Jalapeño bildet den Auftakt einer über mehrere Generationen geplanten Chipplattform und soll bis Ende 2026 eingesetzt werden.
Auch darüber hinaus ist die Zusammenarbeit langfristig angelegt. OpenAI und Broadcom wollen eigene KI-Beschleuniger im Umfang von insgesamt zehn Gigawatt bereitstellen. Nach der im Oktober 2025 veröffentlichten Planung sollte die Bereitstellung in der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnen und bis Ende 2029 abgeschlossen sein.
Samsung ist zugleich bereits an einer anderen Stelle in OpenAIs Lieferkette verankert. Im Oktober 2025 kündigten OpenAI und mehrere Samsung-Unternehmen eine strategische Zusammenarbeit für Stargate an. Stargate ist OpenAIs globale Initiative zum Ausbau der KI-Infrastruktur. Samsung Electronics soll dafür fortschrittliche Speicherlösungen liefern. Die Beziehung reicht inzwischen von Speichertechnik bis zur Forschung an künftigen Chips.
Der Wettbewerb wird zur Systemfrage
Cloud- und KI-Anbieter wollen Rechenleistung enger auf ihre Modelle, Kostenstrukturen und Rechenzentren zuschneiden. Qualcomm umwirbt Cloudanbieter gezielt mit Alternativen zum US-Chipkonzern Nvidia ISIN US67066G1040 WKN 918422 und dessen dominierenden Prozessoren.
OpenAI ist zugleich eng mit Nvidia verbunden. Im September vergangenen Jahres unterzeichneten beide eine Absichtserklärung über mindestens zehn Gigawatt Nvidia-Systeme für OpenAIs KI-Infrastruktur. Nvidia stellte dafür Investitionen von bis zu 100 Mrd. USD in Aussicht.
Amazon bleibt Teil von OpenAIs Ausbau
Auch bei Amazon hat sich OpenAI langfristig Rechenkapazität gesichert. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, über AWS rund zwei Gigawatt Trainium-Kapazität abzunehmen. Die entsprechende Infrastruktur soll ab 2027 hochgefahren werden. Die eigene Chipentwicklung ergänzt damit weiterhin Hardware anderer Anbieter.
Je nach Aufgabe können eigene Beschleuniger, kundenspezifische Chips und etablierte Grafikprozessoren parallel zum Einsatz kommen. Für die Anbieter zählen am Ende Kosten, Energieeffizienz, Lieferfähigkeit und die Geschwindigkeit neuer Chipgenerationen.
Für Qualcomm bestimmt Amazons tatsächliches Bestellvolumen, wie groß der wirtschaftliche Effekt der Partnerschaft wird. OpenAI hält parallel mehrere Wege offen: eigene Chips, Trainium von AWS und Nvidia-Systeme. Der Wettbewerb verlagert sich so von einzelnen Prozessoren auf das Zusammenspiel verschiedener Chiparchitekturen und Lieferanten.