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Börse in Seoul im SchockSüdkoreas Aktienmarkt bricht nach Nahostkonflikt drastisch ein

Südkoreas Leitindex Kospi verliert binnen weniger Tage mehr als 18 %. Auslöser sind geopolitische Spannungen und eine extreme Konzentration auf wenige Technologiewerte. Analysten sehen jedoch kaum Parallelen zu den USA.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / AP / Ahn Young-joon

Der südkoreanische Aktienmarkt hat innerhalb weniger Tage einen historischen Einbruch erlebt. Der Leitindex Kospi verlor allein am Mittwoch mehr als 12 %. Über die gesamte Woche summiert sich der Rückgang auf über 18 %. Auslöser sind vor allem geopolitische Spannungen nach den Militärschlägen der USA und Israels gegen Iran sowie Gewinnmitnahmen nach einer außergewöhnlich starken Rallye.

Der Kurssturz ist der größte Tagesverlust in der Geschichte des Index. Gleichzeitig rutschte der Markt damit in wenigen Tagen in einen sogenannten Bärenmarkt. Darunter verstehen Börsianer einen Rückgang von mehr als 20 % gegenüber einem vorherigen Hoch.

Die extreme Abhängigkeit von Energie trifft Korea besonders

Ein zentraler Faktor ist die starke Abhängigkeit Südkoreas von Energieimporten. Das Land verfügt kaum über eigene fossile Ressourcen und muss fast seinen gesamten Bedarf an Öl und Gas per Tanker importieren. Laut der US Energy Information Administration stammen rund 70 % der Ölimporte und bis zu 30 % der Flüssiggaslieferungen aus dem Nahen Osten.

Die Eskalation der Spannungen in der Region sorgt deshalb für besondere Nervosität. Anleger fürchten steigende Energiepreise und mögliche Störungen der Lieferketten. Als die Börse nach einem Feiertag wieder öffnete, setzte sofort eine massive Verkaufswelle ein.

Wenige Technologieriesen dominieren den Aktienmarkt

Hinzu kommt eine außergewöhnlich starke Konzentration im südkoreanischen Aktienindex. Mehr als ein Drittel des Kospi entfällt allein auf zwei Unternehmen. Samsung Electronics und der Halbleiterhersteller SK Hynix.

Beide Aktien hatten zuvor eine extreme Kursrally erlebt. Samsung gewann innerhalb von zwölf Monaten rund 216 %. SK Hynix legte sogar um etwa 356 % zu. Analyst Larry Tentarelli vom Blue Chip Trend Report spricht deshalb von typischen kurzfristigen Blasenbewegungen.

Am Mittwoch verloren beide Aktien zeitweise mehr als 10 %. Der Handel an der Börse in Seoul musste zeitweise sogar ausgesetzt werden.

US-Börsen gelten als deutlich stabiler strukturiert

Trotz des spektakulären Einbruchs sehen viele Marktbeobachter kaum direkte Parallelen zu den USA. Dort ist die Marktkonzentration deutlich geringer. Die beiden größten Werte im S&P 500 Index Nvidia und Apple, machen zusammen etwa 14 % des Index aus.

Jay Woods von Freedom Capital Markets betont, ein Tagesverlust von 12 % würde an der Wall Street als extremes Szenario gelten. Zudem greifen in den USA automatische Handelsunterbrechungen. Diese sogenannten Circuit Breaker stoppen den Handel bei starken Kurseinbrüchen und sollen Panikreaktionen verhindern.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Marktstruktur. In Südkorea spielen private Kleinanleger eine besonders große Rolle. Laut Daten von VandaTrack floss zuletzt eine Rekordsumme von 266 Mio. USD innerhalb eines Monats in einen beliebten Korea ETF.

Viele dieser Anleger versuchten offenbar, schnell Gewinne zu sichern. Als die Kurse zu fallen begannen, verstärkte das die Verkaufsdynamik zusätzlich. Auch nach dem Einbruch bleibt der größere Trend bemerkenswert. Trotz der Turbulenzen liegt der Kospi im laufenden Jahr noch immer über 20 % im Plus und hat sich innerhalb von zwölf Monaten nahezu verdoppelt.