
Boeing Aktie: Nach dem Door Plug Desaster unten angekommen?
Die Boeing Aktie geriet in dieser Woche unter Druck, nachdem neue Probleme mit dem 737-MAX-Modell auftraten. Damit wurde der jüngste Aufwärtstrend der Aktie jäh unterbrochen. Lohnt sich der Einstieg, falls sich die aktuellen Probleme als beherrschbar herausstellen?
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Die Boeing Aktie (ISIN: US0970231058, WKN: 850471) ist in dieser Woche deutlich von 249 USD auf nur noch 222 USD gefallen. Der Grund: wieder einmal Probleme beim Krisenmodell 737 Max-9. Ein Flugzeug der Alaska Air verlor in der Luft einen Notfalltürstopfen und musste notlanden. Die Federal Aviation Administration ordnete das Flugverbot und die Inspektion von Boeing 737 MAX 9-Jets an.
Bei Anlegern weckte der Vorfall böse Erinnerungen an die tödlichen Abstürze des Flugzeugmodells 2018 und 2019. Für das damals erlassene Flugverbot hatte Boeing Kundenentschädigungen in Höhe von 8,5 Mrd. US-Dollar vorgesehen. Zum Ende des dritten Quartals waren davon noch 1,5 Mrd. USD übrig.
Boeing fällt hinter Airbus zurück
Im Wettbewerb mit dem Konkurrenten Airbus steht Boeing nicht gut da. Airbus meldete in dieser Woche einen neuen Rekord bei den Bestellungen. Demnach wurden 2023 2.319 Bruttoaufträge verbucht – doppelt so viele wie im Vorjahr und 29,1 % mehr als bisherigen Rekordjahr 2014 (1.796).
Unter den Orders waren eine Bestellung über 500 Flugzeuge vom indischen Discount-Carrier Indigo, eine Bestellung über 470 Jets von Air India sowie 220 Flugzeuge, die durch Turkish Airlines bestellt wurden. 153 Flugzeuge wurden durch die britische Easyjet und 100 Flugzeuge durch die Leasinggesellschaft Avolon bestellt.
Airbus hatte Boeing im Jahr 2019 als weltgrößten Flugzeughersteller überholt. Damals war der zweite Absturz der 737 Max und das darauffolgende Flugverbot für den Typ mit ausschlaggebend.
Nachfrage nach Flugzeugen bleibt hoch
Im Jahr 2023 lag Boeing bei den Bestellungen deshalb deutlich hinter dem europäischen Konkurrenten. So wurden 1446 Bruttobestellungen verbucht. Dies war zwar deutlich weniger als bei Airbus, aber immer noch die höchste Zahl seit 2014.
Und hier kommt der gesunkene Aktienkurs als mögliche Kaufgelegenheit ins Spiel. Der weltweite Reiseverkehr hat sich nach der Pandemie schneller wieder vollständig erholt als zunächst erwartet. Die Nachfrage nach Flugzeugen übertrifft das Angebot.
Fluggesellschaften investieren hohe Summen, um ihre Flotten zu erweitern. Der Angebotsschock auf dem Flugzeugmarkt infolge der Pandemie ist nach wie vor nicht überwunden. Genau wie Airbus kämpft auch Boeing darum, die Produktion hochzufahren. Fluggesellschaften und Leasinggesellschaften verpflichten sich mittlerweile zum Kauf von Flugzeugen für mehr als zehn Jahre im Voraus. Die Unternehmen sorgen sich um den schwierigen Hochlauf der Produktion und anhaltende Verzögerungen.
Flugzeuge sind gefragt – Bestellungen für zehn Jahre im Voraus
Anders gesagt: Den meisten Kunden von Boeing bleibt kaum eine Wahl. Die beiden Unternehmen bilden ein Duopol, das derzeit am Limit produziert. Flug- und Leasinggesellschaften können Käufe bei Boeing kaum durch Käufe bei Airbus substituieren.
Die durch das Wall Street Journal beobachteten Analysten erwarten, dass Boeing im Geschäftsjahr 2023 knapp die Gewinnschwelle erreicht haben könnte. In diesem Jahr wird bislang ein Gewinn von 5,79 USD pro Aktie erwartet, im kommenden Jahr ein Gewinn von 9,09 USD pro Aktie. 22 Analysten empfehlen deshalb aktuell den Kauf der Aktie. Vor drei Monaten waren es lediglich 14 Analysten. Das Kursziel liegt im Median bei 280 USD und damit deutlich über dem aktuellen Kurs von 222,66 USD. Vor den jüngsten Ereignissen befand sich die Aktie in einem mittelfristigen Aufwärtstrend.
Wie gravierend ist das technische Problem bei Boeing?
Dieser Aufwärtstrend könnte rasch fortgesetzt werden, sollten sich die aktuellen Ereignisse als beherrschbar und von einmaliger und kurzfristiger Natur herausstellen. Wie gravierend also sind die Probleme?
Citibank Analyst Jason Gursky führt den jüngsten Vorfall auf ein Herstellungsproblem zurück. Das wäre ein deutlich kleineres Übel als ein Designproblem. Ein solches Designproblem bei der Flugsteuerungssoftware hatte vor einigen Jahren für mehrere tödliche Unfälle gesorgt.
Endgültig festlegen will sich aber auch Gursky noch nicht. Er verweist allerdings darauf, dass 737 Jets seit den 1990er Jahren mit "verstopften" Notausgängen fliegen. Die MAX "Dash-Nine" habe den Flugbetrieb bereits 2015 aufgenommen. Probleme wie beim Alaska Airlines Flug seien nicht aufgetreten.
Es ist also gut möglich, dass das 737 MAX Problem irgendwann abgearbeitet ist und der aktuelle Vorfall keine langfristigen Auswirkungen hat. Der aktuelle Aktienkurs jedenfalls liegt deutlich unter dem Niveau von Anfang 2020 erst recht unter dem Niveau von Anfang März 2019, als der zweite Absturz einer 737-MAX offenbarte, dass ein größeres Problem mit dem Modell vorliegt. Die Airbus Aktie dagegen notiert heute deutlich höher als vor vier Jahren.