
Antizyklisch in den Schwellenmarkt: Lohnt sich jetzt ein Investment in den MSCI India?
Indiens Aktienmarkt hat zuletzt underperformed – auch, weil Kapital in Richtung KI abfließt. Die Bewertungen sind deutlich zurückgegangen, das Wirtschaftswachstum dürfte 7 % übersteigen. Eine Gelegenheit für Antizykliker?
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Der indische Aktienmarkt hat sich in den letzten Jahren schwach entwickelt. Gemessen am iShares MSCI India UCITS ETF beläuft sich die kumulierte Performance der vergangenen fünf Jahre auf lediglich 6,35 %. Seit der Auflage des Fonds im Jahr 2018 beläuft sich die durchschnittliche jährliche Rendite auf lediglich 6,51 %. Ende des dritten Quartals 2024 setzte ein bis heute fortbestehender Abwärtstrend ein. Im letzten Jahr gab der ETF um 13,62 %, seit Jahresbeginn um 11,03 % nach.
Indiens Story: Der No-Brainer fürs Portfolio?
Für viele Anleger ist Indien nach wie vor ein sprichwörtlicher No-Brainer für das Portfolio. Eine riesige, wachsende und zugleich junge Bevölkerung mit sich herausbildender Mittelschicht, eine sich verbreiternde inländische technologische Basis und ein im Vergleich zu europäischen Verhältnissen fortlaufend hohes Wirtschaftswachstum sprechen für eine langfristig günstige Entwicklung des indischen Aktienmarktes.
Doch das Fundament der Story bekommt Risse, die sich auch in anderen Indizes wie dem Nifty 50 niederschlagen. Indien kämpft mit einer ganzen Reihe handfester ökonomischer Herausforderungen. Eine dieser Herausforderungen ist der massive Abfluss von Portfolio-Investitionen ausländischer Anleger.
Diese haben 2026 bis Ende Oktober rund 35–37 Mrd. USD aus indischen Aktien abgezogen. Seit dem Hoch im September 2024 summiert sich der Abfluss auf ca. 65 Mrd. USD. Indiens Gewicht im MSCI Emerging Markets ist dadurch von über 20 % auf 10,65 % (Stand letztes Quartalsultimo) gesunken. Ein wesentlicher Grund dafür ist der KI- und Halbleiterboom in Nordasien, der massiv Kapital anzieht.
Rückflüsse, Rohöl, Rupie: Indiens Baustellen
Das Land leidet zudem unter erhöhten Rohölpreisen. Indien importiert rund 85 bis 90 % seines Rohölbedarfs. Die höheren Preise verschlechtern die Handelsbilanz und üben Druck auf die Währung aus. Die indische Rupie hat gegenüber dem US-Dollar in diesem Jahr deutlich abgewertet. Zum Jahreswechsel wurden noch 90 Rupien pro US-Dollar gezahlt, aktuell mehr als 95 Rupien.
Die Kombination aus teuer bezahlten Rohstoffimporten und Portfolioabflüssen setzt die Rupie weiter unter Druck. Dies wiederum erhöht die Risiken für Investoren im Land.
Die Geldpolitik hat auch darauf reagiert: Die Reserve Bank of India (RBI) hob ihren Leitzins im Oktober um 25 Basispunkte auf 5,5 % an, die erste Erhöhung seit Februar 2023. doch die Zinserhöhung ist nicht nur eine Reaktion auf die anhaltende Schwäche der Währung und die Kapitalflucht. Die jährliche Inflationsrate stieg im September 2026 auf 5,54 %, was den höchsten Stand des Jahres darstellt und zum vierten Mal in Folge über dem Ziel von 4 % der RBI liegt (die tolerierte Landbreite liegt bei 2–6 %).
Die RBI hat im Kampf um die Stabilisierung der Währung bereits erhebliche Reserven eingesetzt. Schätzungen gehen von rund 80 Milliarden US-Dollar allein seit Juni aus. Dennoch hat die Rupie abgewertet.
Aber: Die Prognose für das BIP-Wachstum wurde durch die RBI auf 7,1 % angehoben. Ist der indische Markt möglicherweise reif für einen antizyklischen Einstieg? Dafür würden die längere Schwächephase, die große Distanz des Marktes zu Entwicklungen rund um KI und die mittlerweile wohl eingepreisten Ölpreise sprechen.
Die Bewertungen sind gesunken, aber nicht überzeugend
Das Problem des indischen Aktienmarktes sind die nach wie vor nicht restlos überzeugenden Bewertungen. Stand: 30. September lag das Forward-KGV des MSCI India bei 18,6 Punkten. Dies ist deutlich mehr als im MSCI Emerging Markets mit 9,72 und dem MSCI ACWI IMI mit 16,2 Punkten.
"Trotz niedrigerer Bewertungen zögern ausländische Anleger aufgrund der relativen Bewertungen weiterhin, in indische Aktien zu investieren. Der MSCI India Index notiert im Vergleich zu anderen Schwellenmärkten mit einem Aufschlag, was die Stimmung der ausländischen Anleger beeinflusst", sagt Economic-Times-Analyst Ravindra Sonovane. Die Bewertungen sind auf ein 6-Jahres-Tief gefallen und liegen nur noch knapp über dem langfristigen Durchschnitt.
In einem positiven Szenario könnte sich der indische Aktienmarkt deutlich erholen. Dafür wären ein spürbarer Rückgang der Ölpreise und ein konstruktiver Zinszyklus notwendig. Dies könnte zu nachlassenden Portfolioabflüssen, einer stabilisierten Währung und möglicherweise auch wieder zu einem höheren Gewicht im MSCI Emerging Markets Index führen.
Umgekehrt würden anhaltend höhere Ölpreise und noch mehr Zinserhöhungen die Kapitalflüsse weiter verstärken, wodurch die Rupie zusätzlich unter Druck geraten und der Aktienmarkt in Mithaftung genommen werden dürfte. Wahrscheinlich ist dann eine längere Phase relativer Schwäche, jedoch kein crashähnliches Szenario. Gegen ein solches spricht das hohe und anhaltende inländische Wachstum.
Unser Fazit: Der MSCI India ist derzeit gut – für einen Sparplan. Größere Investments drängen sich noch nicht auf.