Bild zum Artikel: Zweite Reihe zieht an: US-Nebenwerte verzeichnen stärkstes erstes Halbjahr seit 1991

Zweite Reihe zieht anUS-Nebenwerte verzeichnen stärkstes erstes Halbjahr seit 1991

Der Leitindex Russell 2000 steigt bis Ende Juni 2026 um 21,9 Prozent und spiegelt die Erholung des Segments wider. Indexunterlagen und Unternehmensberichte belegen, dass hinter dem Aufschwung mehr steckt als bloße Euphorie.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 4 min
Titelbild: Getty Images / Unsplash

Lange liefen die kleinen US-Börsenwerte nur hinterher, doch jetzt holen sie mit Macht auf. Der wichtigste Nebenwerte-Index Russell 2000 steht per 30. Juni 2026 bei 3.024,37 Punkten und damit deutlich über dem Stand des Vorjahresschlusses. Der US-Wirtschaftssender CNBC wertet die jüngste Kursrally als stärkstes erstes Halbjahr seit 1991.

Bemerkenswert ist dabei neben dem Tempo die Breite der Bewegung. Nach Unterlagen des Indexanbieters FTSE Russell zur Neuordnung der US-Indizes deutet die Entwicklung auf eine breitere Marktbewegung hin. Insgesamt 42 Unternehmen schafften den Aufstieg aus dem Russell 2000 in den Russell 1000, besonders viele davon aus der Technologie- und Industriebranche. Das spricht eher für eine echte Rückkehr des Anlegerinteresses als für ein kurzes Marktfeuerwerk.

Aufholjagd fußt auf soliden Fundamentaldaten

CNBC zitiert dazu die Fondsmanagerin Amy Zhang von der Investmentgesellschaft Alger, die den Aufschwung als Mischung aus Bewertungsaufholung und besseren Fundamentaldaten beschreibt. Das passt zu einem Marktbild, in dem US-Nebenwerte über Jahre als Nachzügler galten, während vor allem große Technologiewerte das Geschehen bestimmten.

KI-Infrastruktur belebt das Zulieferersegment

Wer bei künstlicher Intelligenz nur an Nvidia oder die großen Cloud-Konzerne denkt, greift inzwischen zu kurz. Diese Dynamik verleiht den Nebenwerten zusätzlichen Reiz. Der Halbleiter-Testausrüster Aehr Test Systems (ISIN: US00760J1088, WKN: 908802) meldete bei der US-Börsenaufsicht SEC, dass ein Hyperscaler Produktionsaufträge für Testsysteme vergeben habe, die bei leistungsstärkeren KI-Beschleunigern eingesetzt werden. Das ist ein direkter Hinweis darauf, wie der Ausbau von Rechenzentren bis tief in spezialisierte Nischen hineinwirkt.

Auch der Halbleiterhersteller MaxLinear (ISIN: US57776J1007, WKN: A0RM07) liefert dafür einen greifbaren Beleg. Im Geschäftsbericht schreibt das Unternehmen, dass KI-Anwendungen die Nachfrage nach schnelleren optischen Verbindungen antreiben. Zugleich erwartet MaxLinear, dass optische Rechenzentrumsverbindungen das Infrastrukturwachstum 2026 anführen dürften. Damit erreicht die technologische Aufrüstung die tieferen Glieder der Wertschöpfungskette. Neben den bekannten Marktführern profitieren somit jene Firmen, die Verbindungen, Komponenten und Testsysteme zuliefern.

CNBC verweist zudem darauf, dass 16 der 50 besten Werte im Russell 2000 aus dem Halbleiterumfeld kommen.

Die Geldpolitik bleibt der zentrale Risikofaktor

So kräftig der Aufschwung auch ist, er vollzieht sich nicht im luftleeren Raum. Die Geldpolitik bleibt der heikelste Faktor. Mit jeder neuen Inflations- oder Arbeitsmarktzahl stellt sich vor den nächsten Sitzungen der US-Notenbank Federal Reserve die Zinsfrage neu. An den Märkten wächst damit die Sorge, dass die Zinsen länger hoch bleiben oder sogar noch einmal steigen könnten.

Für kleinere Unternehmen ist diese Entwicklung heikel. Sie sind oft stärker auf Refinanzierung angewiesen und tragen häufiger Schulden mit variabler Verzinsung. CNBC verweist auf eine Berechnung der Großbank Bank of America. Ein weiterer Zinsschritt um 25 Basispunkte würde die operativen Gewinne im Russell 2000 demnachum rund 2 Prozent schmälern. Zugleich berichtet der Sender von deutlich höheren Konsensschätzungen für das Gewinnwachstum 2026, die von rund 23 auf 38 Prozent gestiegen seien.

Unter dem Strich wirkt die Rally der US-Nebenwerte inzwischen belastbarer, als es ein bloßer Blick auf die Kurszettel nahelegt. Die starke Indexentwicklung ist greifbar und die breitere Marktbewegung lässt sich mit Russell-Unterlagen stützen. Zudem zeigt sich der KI-Effekt in den Berichten einzelner Zulieferer direkt. Die eigentliche Bewährungsprobe steht jedoch noch aus. Sollte der Zinsdruck wieder zunehmen, droht der Kursrally schnell ein neuer Härtetest.