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Hardware für AlgorithmenJenseits des Chip-Booms: neue Favoriten mit industrieller Basis

Der Markt blickt weiter auf Nvidia und etablierte Branchengrößen. Doch die nächste Anlagestrategie reicht tiefer in die Lieferkette. Analysten beobachten gezielt Firmen, die die Stromversorgung, Datenbewegung und Kühlung für die KI-Infrastruktur absichern.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: Getty Images / Unsplash

Der KI-Boom verschiebt die Gewichte auf dem Parkett. Neben den Entwicklern der leistungsstärksten Prozessoren rücken zunehmend jene Unternehmen in den Mittelpunkt, die die Engpässe hinter dem Sektorwachstum beseitigen. Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes hebt für Juli 2026 neun Titel hervor, die von diesen Nadelöhren profitieren: Stromversorgung, Hochleistungsspeicher, Datenverkehr in Rechenzentren und moderne Kühlsysteme.

Solange die Sachanlagen für KI-Rechenzentren expandieren, gewinnen Anbieter der physischen Infrastruktur an Boden. Forbes verweist hierzu auf Marktausblicke der Fondsgesellschaft Fidelity Investments und der Investmentbank Morgan Stanley. Beide Häuser sehen in den hohen Branchenausgaben einen wichtigen Impuls für die zweite Jahreshälfte 2026.

Machtwechsel hinter dem Prozessor

Im Halbleiterbereich bleibt Taiwan Semiconductor (ISIN: US8740391003, WKN: 909800) ein Schlüsselwert. Der Konzern dominiert laut Forbes mit seiner fortgeschrittenen Verpackungstechnologie CoWoS (Chip-on-Wafer-on-Substrate) einen kritischen Abschnitt der Lieferkette. Dieses Montageverfahren verbindet Prozessoren mit Hochleistungsspeicher, was für moderne KI-Beschleuniger zentral ist. Aus dieser Verknappung resultiert eine enorme Preismacht, die den Druck auf alternative Anbieter erhöht.

Davon profitieren auch der Speicherhersteller Micron Technology (ISIN: US5951121038, WKN: 869020) und der Technologiekonzern Intel (ISIN: US4581401001, WKN: 855681). Während Micron mit schnellen Hochbandbreitenspeichern den Datenstau zum Prozessor minimiert, versucht Intel mit eigenen Montage-Plattformen Marktanteile zu gewinnen. Abseits der reinen Rechenleistung entscheidet somit das Tempo des Datentransfers zwischen den Komponenten über den Markterfolg.

Am Ende dieser Verarbeitungsstufe positionieren sich der Halbleiterentwickler Astera Labs (ISIN: US04626A1034, WKN: A40SA1) und der Konnektivitätsspezialist Credo Technology (ISIN: KYG254571055, WKN: A3CS46). Beide entwickeln Verbindungslösungen für KI-Cluster, um den Datenfluss innerhalb großer Serververbünde zu steuern. Der KI-Ausbau generiert somit über die reinen Rechenchips hinaus einen hohen Bedarf für ein ganzes Ökosystem aus Zulieferern.

Ressourcenhunger verschiebt die Machtverhältnisse

Besonders auffällig ist, wie stark die Energieversorgung inzwischen in den Mittelpunkt rückt. Forbes zählt den Energiekonzern NextEra Energy (ISIN: US65339F1012, WKN: A1CZ4H), das Infrastrukturunternehmen Williams Companies (ISIN: US9694571004, WKN: 855451) und den Uranproduzenten Cameco (ISIN: CA13321L1085, WKN: 882017) zu den Profiteuren. KI-Rechenzentren verschlingen immer mehr Strom, was die Versorger zur Stabilisierung der Netze zwingt. Während Williams aufeine eigene Gasinfrastruktur setzt, nutzt NextEra erneuerbare Energien, Gas und Kernkraft. Cameco deckt wiederum den langfristigen Bedarf über Uran und neue Nuklearprojekte ab.

Zudem entscheidet der Zeitfaktor über den Mix. Erdgas bietet heute vielerorts die naheliegende Lösung, weil Konzerne es rasch abrufen können. Kernenergie gilt langfristig als wirtschaftlicher, weil sie verlässlicher liefert als Wind- oder Solarstrom. Dadurch gewinnt der Energiesektor für Investoren an Attraktivität und wird zu einer Voraussetzung für weiteres Wachstum.

Parallel dazu gewinnt das Thermomanagement an Bedeutung. Der Infrastrukturausrüster Vertiv Holdings (ISIN: US92537N1081, WKN: A2P1M4) profitiert laut Forbes davon, dass klassische Luftkühlung für moderne KI-Cluster an ihre Belastungsgrenzen stößt. Flüssigkühlung gilt als effizienter und entwickelt sich vom Spezialthema zum Standard für dichte Rechenzentren. Das Angebot an Planungstools und digitalen Simulationslösungen zeigt, wie breit das Geschäft rund um die KI-Infrastruktur inzwischen ausfällt.

Klumpenrisiken im Schatten des Booms

Auffällig an der Liste ist weniger der einzelne Favorit als das Muster dahinter. Die neun Werte stammen aus sehr unterschiedlichen Branchen, von Halbleitern über Stromnetze bis zur Kühltechnik. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nicht vom direkten KI-Hype leben, sondern die essenzielle Infrastruktur bereitstellen. Das macht die Auswahl plausibel, birgt jedoch spezifische Risiken. Viele dieser Geschäftsmodelle hängen stark von wenigen Großkunden, langen Investitionszyklen oder regulatorischen Entscheidungen ab.

Die klar zugespitzte These: Wer die Engpässe der KI-Industrie löst, erzielt in den kommenden Quartalen potenziell hohe Erträge. Die Nachhaltigkeit des Segments muss sich im konjunkturellen Zyklus beweisen. Aktuell verschiebt sich die Aufmerksamkeit weg vom reinen Chiprennen hin zu den Infrastrukturdienstleistern der nächsten Ausbaustufe.

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