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Wettlauf im WeltraumBlue Origin wird vom Milliardärsprojekt zum Börsenkandidaten

In einer Finanzierungsrunde hat Jeff Bezos' Raumfahrtunternehmen Blue Origin 10 Mrd. USD eingesammelt. Erstmals sind externe Geldgeber beteiligt. Das stärkt die Kapitalbasis für einen möglichen Börsengang, während technische Probleme den Ausbau des Startgeschäfts bremsen.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Blue Origin

Nach der ersten Finanzierungsrunde mit externen Investoren spricht Bezos deutlicher denn je über einen möglichen Börsengang von Blue Origin. Im Interview mit dem US-Fernsehsender Fox News erklärte er am Mittwoch, dass er eine Börsennotierung langfristig für sinnvoll halte und in einigen Jahren damit rechne. Einen konkreten Zeitplan oder einen verbindlichen Beschluss nannte er nicht.

Blue Origin entwickelt Raumfahrttechnik für verschiedene Einsatzbereiche. Dazu zählen die teilweise wiederverwendbare Schwerlastrakete New Glenn für Satellitentransporte in die Erdumlaufbahn, Triebwerke für andere Raketenhersteller und Landegeräte für Mondmissionen. Der Hauptsitz des Unternehmens liegt in Kent bei Seattle im US-Bundesstaat Washington. Nach Angaben der Wirtschaftszeitung Wall Street Journal beschäftigt Blue Origin rund 15.000 Menschen.

Milliarden von Bezos und eine hohe Bewertung

Seit dem Jahr 2000 hat Jeff Bezos, Gründer des US-Technologiekonzerns Amazon ISIN US0231351067 WKN 906866, nach eigenen Angaben 28 Mrd. USD in den Ausbau von Blue Origin investiert.

Laut Wall Street Journal wurde Blue Origin bei seiner jüngsten Finanzierungsrunde mit rund 140 Mrd. USD bewertet. Vor dem Zufluss des neuen Kapitals lag der Unternehmenswert früheren Angaben zufolge bei etwa 130 Mrd. USD. Der US-Vermögensverwalter Coatue Management sagte Berichten zufolge rund 4 Mrd. USD zu. Bezos selbst steuerte weitere 2 Mrd. USD bei.

Gemessen an dieser Bewertung ist das laufende Geschäft bislang vergleichsweise klein. Demnach erzielte Blue Origin 2025 rund 800 Mio. USD Umsatz. Internen Planungen zufolge sollen es 2026 etwa 1,4 Mrd. USD werden. Die Geldgeber setzen damit erheblich auf künftiges Wachstum.

Die neuen Mittel erweitern den finanziellen Spielraum für die kostspielige Raketenentwicklung und laufende Investitionen. Wann sich das in höheren Umsätzen niederschlägt, hängt allerdings auch von der Einsatzbereitschaft der Raketen ab.

Große Aufträge, begrenzte Startkapazität

Der wichtigste Konkurrent von Blue Origin, der US-Raumfahrtkonzern SpaceX ISIN US84615Q1031 WKN A42D4F, ist seit Juni 2026 börsennotiert. Der Rekord-Börsengang brachte nach vollständiger Platzierung rund 85,7 Mrd. USD ein. Das von Elon Musk gegründete Unternehmen gilt im kommerziellen Geschäft mit Raketenstarts als Marktführer.

Blue Origin wurde etwa anderthalb Jahre vor SpaceX gegründet. Bei kommerziellen Raketenstarts hat das Unternehmen von Bezos den Rückstand auf seinen Rivalen bislang jedoch nicht aufholen können.

Kunden für eine Ausweitung des Geschäfts sind dennoch vorhanden. So sicherte Amazon sich für sein Satelliteninternet Amazon Leo nach Angaben vom Frühjahr 2026 bereits 24 feste Starts mit der Schwerlastrakete New Glenn von Blue Origin. Bei den ersten Flügen sollen jeweils 48 Satelliten transportiert werden.

Von der US-Raumfahrtbehörde NASA erhielt Blue Origin außerdem einen Auftrag über 3,4 Mrd. USD. Dabei geht es um die Entwicklung des Blue-Moon-Mondlandegeräts für das Artemis-Programm, das erneut Menschen auf den Mond bringen soll. Die US Space Force – die Weltraumstreitkraft der USA – wählte das Unternehmen 2025 zudem für einen Rahmenvertrag mit einem erwarteten Wert von rund 2,39 Mrd. USD aus.

New Glenn muss nach mehreren Rückschlägen liefern

Regelmäßige Umsätze aus den vereinbarten Raketenstarts setzen allerdings voraus, dass Blue Origin über zuverlässige Trägersysteme verfügt. Beim dritten Flug von New Glenn am 19. April 2026 wurde erstmals eine bereits eingesetzte Unterstufe wiederverwendet. Die Oberstufe brachte den Satelliten eines Kunden allerdings in eine unbrauchbare Umlaufbahn.

Bei einem Triebwerkstest im Mai explodierte eine New-Glenn-Rakete am Startplatz in Florida. Bei derartigen Tests laufen die Triebwerke, während die Rakete am Boden festgehalten wird. Der Vorfall beschädigte Teile der Anlage und brachte das weitere Flugprogramm ins Stocken. Nach Angaben von Blue Origin konnte die Störung auf das Hauptsauerstoffventil eines der sieben BE-4-Triebwerke der unteren Raketenstufe zurückgeführt werden. Die Antriebe arbeiten mit Flüssigsauerstoff und verflüssigtem Erdgas. Das Unternehmen kündigte Änderungen am Ventil an, die auch bei bereits gefertigten Triebwerken vorgenommen werden können.

Auch die Startanlage wird umgebaut. Blue Origin will die zerstörte Aufrichtvorrichtung nicht ersetzen, sondern die Rakete künftig mithilfe eines Krans am Startplatz aufrichten. Das neue Verfahren soll die Wiederaufnahme der Flüge ermöglichen und später die Abläufe beschleunigen.

Ob Blue Origin künftig regelmäßig Raketenstarts absolvieren kann, dürfte auch die Unternehmensbewertung bei einem möglichen Börsengang beeinflussen. Bezos stellte einen weiteren Flug der New Glenn für Dezember 2026 in Aussicht. Die nächste Bewährungsprobe an der Startrampe steht damit deutlich früher an als der Gang an die Börse.