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U-Boote und Kampfjets füllen die BücherSaab übertrifft Gewinnprognose und verdoppelt Auftragseingang

Saab übertrifft im zweiten Quartal die Gewinnerwartungen und füllt seine Bücher mit Großaufträgen aus Polen, der Ukraine und dem NATO-Umfeld. Der Engpass verlagert sich damit vom Vertrieb in die Fabriken.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Saab AB

Der schwedische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Saab (ISIN: SE0021921269, WKN: A403UW) steigert den operativen Gewinn im zweiten Quartal um 41 Prozent auf 2,79 Milliarden SEK (ca. 253 Millionen Euro). Der Auftragseingang springt um 141 Prozent auf 68,39 Milliarden SEK (ca. 6,20 Milliarden Euro), der Umsatz wächst organisch um 29,8 Prozent.

Großaufträge treiben den Auftragsbestand nach oben

Den größten Schub liefert das Marinegeschäft. Polen bestellt drei konventionell angetriebene Militär-U-Boote der Klasse A26 für 47 Milliarden SEK (ca. 4,26 Milliarden Euro). Allein dieser Vertrag steht für mehr als zwei Drittel des gesamten Auftragseingangs im Quartal. Zum Quartalsende erreicht der Auftragsbestand 317,7 Milliarden SEK (ca. 28,81 Milliarden Euro) – rund 61 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz liegt bei 2,7 zu eins: Auf jede als Umsatz verbuchte Krone kommen damit 2,7 Kronen neue Bestellungen. Großaufträge legen um 377 Prozent zu.

Der Polen-Vertrag umfasst neben den U-Booten ein Waffen-, Ausbildungs- und Unterstützungspaket; die letzten Lieferungen sind für 2038 geplant. Saab will Wartung, Reparatur und Überholung gemeinsam mit der polnischen Industrie vor Ort aufbauen. Bis zum Zulauf der neuen Boote soll Polen das schwedische U-Boot HMS Södermanland als Zwischenlösung betreiben.

Auch in der Luftfahrt verdichtet sich die Nachfrage. Saab hat mit der schwedischen Beschaffungsbehörde für Wehrtechnik einen Vertrag über 16 Mehrzweckkampfflugzeuge des Typs Gripen E für die Ukraine geschlossen. Der Auftrag über 24,6 Milliarden SEK (ca. 2,23 Milliarden Euro) soll im dritten Quartal verbucht werden; die Lieferungen an die Behörde sind für 2029 und 2030 vorgesehen. Die NATO hat Saab zudem für Verhandlungen über bis zu zehn GlobalEye-Luftüberwachungs- und Führungsflugzeuge ausgewählt, Kanada führt den Konzern als bevorzugten Anbieter. In beiden Fällen fehlen noch unterschriebene Verträge und verbuchte Bestellungen.

Nach Quartalsende gewinnt Saab außerdem einen Auftrag vom deutschen Marineschiffbauer TKMS über rund 8,7 Milliarden SEK (ca. 789 Millionen Euro). Saab soll Kampfsysteme, Sensoren und Verbundaufbauten für vier neue deutsche Fregatten liefern; die Ausführung ist von 2029 bis 2032 geplant. Eine Option für weitere Schiffe hält zusätzliches Volumen offen.

Der Auftragsberg wird international und langfristig

80 Prozent der Bestellungen im ersten Halbjahr stammen aus dem Ausland, 76 Prozent des gesamten Auftragsbestands entfallen auf internationale Kunden. Damit sinkt die Abhängigkeit vom schwedischen Heimatmarkt. Zugleich wächst die Bedeutung politischer Beziehungen, Ausfuhrgenehmigungen und lokaler Industriepakete.

Bis Ende 2028 sollen Aufträge über 198,2 Milliarden SEK (ca. 17,97 Milliarden Euro) als Umsatz abgearbeitet werden. Weitere 119,5 Milliarden SEK (ca. 10,84 Milliarden Euro) reichen in das Jahr 2029 und darüber hinaus. Diese Staffelung glättet die Umsatzbasis, bindet aber Personal, Material und Entwicklungskapazität über Jahre.

Saab muss die Produktion deutlich schneller hochfahren

Der Quartalsumsatz steigt auf 25,45 Milliarden SEK (ca. 2,31 Milliarden Euro), die operative Marge verbessert sich von 10 auf 11 Prozent. Auch die Bruttomarge zieht von 21,5 auf 22,6 Prozent an, weil Sensorik und Waffensysteme einen größeren Anteil am Umsatz erhalten. Saab wächst damit derzeit schneller, als die Kosten des Kapazitätsausbaus zunehmen.

Der Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft verbessert sich im ersten Halbjahr auf 955 Millionen SEK (ca. 87 Millionen Euro). Der freie Cashflow nach Investitionen bleibt mit minus 594 Millionen SEK (ca. minus 54 Millionen Euro) negativ. Dieser Gegensatz zeigt die operative Stärke, aber auch den hohen Finanzbedarf für neue Werke, Vorräte und laufende Projekte.

Bei den Saab-Sparten steigt der Umsatz im Kampfflugzeuggeschäft Aeronautics um 31 Prozent, im Raketen- und Waffengeschäft Dynamics um 36 Prozent und in der Sensorik- und Aufklärungssparte Surveillance um 47 Prozent. Die Marinesparte Naval wächst um 9 Prozent und fährt wegen des Polen-Auftrags die Kapazitäten an den schwedischen Standorten Karlskrona und Landskrona hoch. Saab beschäftigt inzwischen umgerechnet mehr als 29.000 Vollzeitkräfte. Die Sachinvestitionen steigen im ersten Halbjahr auf 3,92 Milliarden SEK (ca. 355 Millionen Euro) nach 2,66 Milliarden SEK (ca. 241 Millionen Euro).

Politische Milliardenprogramme verlängern den Boom

Der Nachfragepfad wird durch feste Haushaltsziele gestützt. Die europäischen NATO-Mitglieder und Kanada erhöhten ihre Verteidigungsausgaben 2025 real um fast 20 Prozent auf mehr als 571 Milliarden US-Dollar, gerechnet in Preisen von 2021. Bis 2035 sollen mindestens 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung in die Kernverteidigung und bis zu weitere 1,5 Prozent in Sicherheit, Infrastruktur und industrielle Kapazitäten fließen.

Die Mitgliedstaaten kündigten im Juli auf dem NATO-Gipfel in Ankara zudem neue Beschaffungen von mehr als 50 Milliarden US-Dollar und den Ausbau gemeinsamer Fertigungskapazitäten an. Für Saab erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass politische Zielquoten in mehrjährige Bestellungen übergehen, insbesondere bei Luftüberwachung, Flugabwehr, Munition und Marineausrüstung.

Auch die Europäische Verteidigungsagentur (EDA), die Verteidigungsdaten der EU-Staaten bündelt, erwartet für 2026 einen Anstieg der Ausgaben auf 454 Milliarden Euro nach 418 Milliarden Euro im Vorjahr. 36 Prozent davon sollen in Investitionen fließen; die Mittel für Forschung und Entwicklung wachsen voraussichtlich auf 20 Milliarden Euro.

Das EU-Programm SAFE, ein Kreditinstrument für gemeinsame Beschaffung, stellt bis zu 150 Milliarden Euro an Darlehen bereit. Im Regelfall müssen sich mindestens zwei Staaten an einer Beschaffung beteiligen. Das begünstigt grenzüberschreitende Programme und verstärkt den politischen Druck, Aufträge innerhalb der europäischen Rüstungsindustrie zu vergeben.

Der Kampf um Europas nächsten Jet nimmt Fahrt auf

Der nächste strategische Hebel liegt jenseits des aktuellen Gripen-Programms. Nach dem Aus für den Kampfjet-Teil des Future Combat Air System (FCAS), des deutsch-französisch-spanischen Zukunftsprogramms, prüft der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus (ISIN: NL0000235190, WKN: 938914) Saab als möglichen Partner für ein neues Bündnis. Saab-Vorstandschef Micael Johansson hält die Tür für Kooperationen offen, stellt aber den Nutzen für Schweden in den Mittelpunkt. Gemeint ist ein vernetzter Verbund aus bemannten Jets, unbemannten Fluggeräten, Sensoren und Führungsplattformen.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sieht Airbus Saab zunehmend als bevorzugten künftigen Partner, hält aber weitere Optionen offen. Für Deutschland bleibt daneben ein Einstieg in das Global Combat Air Programme (GCAP) denkbar, ein britisch-italienisch-japanisches Kampfjetprojekt. Die Wahl entscheidet nicht nur über Entwicklungskosten, sondern auch über Datenrechte, Exportmärkte und die Verteilung der Fertigung.

Für Saab wäre eine solche Partnerschaft wirtschaftlich zweischneidig. Sie würde den Konzern tiefer in Europas größte Rüstungsprogramme führen, zugleich aber Entwicklungsressourcen und Kapital über lange Zeit binden. Bis 2027 peilt Saab im Durchschnitt rund 22 Prozent jährliches organisches Umsatzwachstum an; der operative Gewinn soll noch schneller steigen. Zudem will der Konzern über den Fünfjahreszeitraum mehr als 60 Prozent des operativen Gewinns in Zahlungsmittel umwandeln. Angesichts der steigenden Investitionen wird diese Zielgröße zum härteren Belastungstest als das reine Umsatzwachstum.

Am Freitagvormittag lag die Saab-Aktie mit 4,94 Prozent im Plus. Die erste Marktreaktion deutet darauf hin, dass Anleger den Gewinnsprung und die Qualität der neuen Aufträge zunächst stärker gewichten als den zusätzlichen Kapitalbedarf. Dauerhaft trägt diese Bewertung nur, wenn Saab den Auftragsbestand in planbare Lieferungen und steigende freie Mittelzuflüsse übersetzt.