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MilliardenauftragStart-up Aerospacelab soll bis zu 264 IRIS²-Satelliten liefern

Mit IRIS² baut die EU eine eigene, besonders geschützte Satelliteninfrastruktur auf. Sie soll die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern verringern und staatliche Kommunikation absichern. Erste Starts sind für 2029 geplant, Dienste könnten ab 2030 folgen.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Aerospacelab

Das belgische Raumfahrt-Start-up Aerospacelab soll den Löwenanteil der Satelliten für Europas künftiges Kommunikationsnetz IRIS2 bauen. Für bis zu 264 der insgesamt 348 Systeme seien mindestens 1,8 Mrd. EUR vorgesehen, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf mit der Auftragsvergabe vertraute Personen. Aerospacelab würde sich beim größten Produktionsauftrag gegen den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus ISIN NL0000235190 WKN 938914 durchsetzen.

OHB und Airbus bleiben an IRIS2 beteiligt

Auch der deutsche Raumfahrtkonzern OHB ISIN DE0005936124 WKN 593612 ist für einen bedeutenden Teil des Programms vorgesehen. Das Bremer Unternehmen soll 18 sogenannte MEO-Satelliten für die mittlere Erdumlaufbahn fertigen, deren Auftragswert knapp eine Mrd. EUR erreichen dürfte.

Airbus wird ebenfalls an IRIS2 beteiligt bleiben. Der Konzern soll 66 Mil-Ka-Satelliten für militärische Kommunikation bauen. Dies bestätigte der französische Satellitenbetreiber Eutelsat ISIN FR0010221234 WKN A0HGPT gegenüber dem Handelsblatt. Eutelsat ist Teil des Betreiberkonsortiums SpaceRISE und führt dort das LEO-Segment, also den Teil der Konstellation in niedriger Erdumlaufbahn. Daneben umfasst das LEO-Segment 264 Dualband-Satelliten für Mil-Ka und Ku. Mil-Ka bezeichnet militärisch genutzte Bereiche des Ka-Frequenzbands. Ku ist ein weiteres Frequenzband, das IRIS2 auch für kommerzielle Dienste nutzen soll. Die von Airbus vorgesehenen Systeme sind speziell für Verteidigung, Sicherheit und Notfalldienste bestimmt.

Aerospacelab setzt auf industrielle Serienfertigung

Für Aerospacelab wäre das Paket ein Sprung in eine neue industrielle Größenordnung. Für seine Megafabrik im belgischen Charleroi nennt Aerospacelab eine Kapazität von bis zu 500 Satelliten pro Jahr. Den Produktionsstart hatte das Unternehmen für 2026 angekündigt. Die Fertigung ist damit von Beginn an auf große Konstellationen ausgelegt.

Die hohen Stückzahlen sind für IRIS2 entscheidend. Die EU will die ersten Satelliten bereits 2029 ins All bringen. Produktionsgeschwindigkeit und Lieferketten werden daher zu sensiblen Faktoren. Am 7. August schlossen die Europäische Kommission und das Betreiberkonsortium SpaceRISE die Umsetzungsvereinbarung, die IRIS2 in die industrielle Ausführung überführt. Die Verhandlungen liefen seit Januar und umfassten Architektur, Kapazität, Zeitplan, Zielpreis sowie Investitionen der privaten Betreiber.

Vom Milliardenprogramm zur Umsetzung

Der Schritt in die Fertigung macht auch die finanzielle Dimension greifbarer. Der 2024 geschlossene zwölfjährige Konzessionsvertrag war damals mit Gesamtkosten von 10,6 Mrd. EUR veranschlagt. Davon sollten 6 Mrd. EUR aus EU-Mitteln, 550 Mio. EUR von der ESA und mehr als 4 Mrd. EUR privat finanziert werden. Für den beschleunigten Zeitplan und die Erweiterung sind nach EU-Angaben zusätzliche 4 Mrd. EUR Programmfinanzierung vorgesehen.

Für OHB hätte der gemeldete Auftrag über die 18 MEO-Satelliten erhebliches Gewicht. Ende Juni lag der Auftragsbestand des Konzerns bei rund 3,3 Mrd. EUR. Ein Auftrag von knapp einer Mrd. EUR entspräche damit grob drei Zehnteln dieses Bestands. Die Relation zeigt, wie stark IRIS2 einzelne europäische Hersteller über Jahre auslasten könnte.

Hinter der Industriepolitik steht ein sicherheitspolitisches Ziel. IRIS2 soll Europas Abhängigkeit von außereuropäischen Satellitennetzen verringern und Behörden sowie Sicherheitsdiensten eine souveräne Kommunikationsinfrastruktur geben. Die erweiterte und technisch aufgerüstete Architektur erhöht laut EU die gesicherte staatliche Kommunikationskapazität innerhalb Europas um 60 %. Nach den ersten Starts sollen staatliche Dienste anschließend schrittweise verfügbar werden.