
KI-Sorgen bremsen Wall Street: Private Equity sitzt auf Milliarden fest
Die Private-Equity-Branche kämpft mit einer Rekordzahl unverkaufter Portfolio-Firmen aus den Boomjahren. Besonders der Software-Sektor blockiert durch hohe Schulden viel Kapital. Hoffnung verspricht nun der wiedererwachende IPO-Markt.
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Finanzinvestoren in den USA stehen vor einer langwierigen Phase der Stagnation bei Unternehmensverkäufen. Wegen zunehmender Bedenken über den Einfluss künstlicher Intelligenz auf die Softwarebranche stocken die Exits massiv. Nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers verzögert sich der Abbau des aktuellen Portfoliostaus beim derzeitigen Tempo auf rund neun Jahre. Dazu kommt die restriktive Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve, welche die Refinanzierungskosten für strategische Aufkäufer hochhält und dadurch klassische Übernahmen merklich bremst.
Massiver Portfoliostau blockiert das Kapital der Finanzinvestoren
Nach aktuellen Daten des Marktforschungsunternehmens PitchBook befanden sich zur Jahresmitte rund 13.500 US-Unternehmen in den Händen von Private-Equity-Firmen. Gegenüber dem Jahresende 2025 entspricht dies einem Zuwachs um rund 200 Beteiligungen. Da viele Finanzinvestoren ihre Assets traditionell nur drei bis fünf Jahre halten wollen, wächst die Ungeduld der Anleger spürbar. Einige ungeduldige Kapitalgeber ziehen bereits Konsequenzen und schichten ihre Mittel in andere Anlageklassen um. Infolgedessen verharren die weltweiten Fundraising-Aktivitäten auf dem mäßigen Niveau des Vorjahres. Laut der Unternehmensberatung Bain & Company sank die Ausschüttungsquote an die Anleger auf den tiefsten Wert seit der Finanzkrise. Dieser Mangel an Liquidität schränkt die Reinvestitionsfähigkeit großer Pensionskassen massiv ein.
Insgesamt sammelten die Akteure im ersten Halbjahr rund 159,6 Mrd. USD an neuen Geldern ein. Dieses Volumen deutet darauf hin, dass der Markt das Vorjahresergebnis von insgesamt 308 Mrd. USD lediglich erreichen wird. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der aktiven Fondsgesellschaften, wodurch sich das Kapital auf wenige Großmanager konzentriert. Besonders prekär ist die Lage bei den Langzeit-Investments, da fast 4.000 Unternehmen seit mindestens sechs Jahren im Portfolio festsitzen. Rund 1.500 Beteiligungen verharren sogar bereits seit neun oder mehr Jahren im Besitz der Fonds. Erschwert wird diese Konzentration durch die Kartellbehörde Federal Trade Commission, die sogenannte Roll-up-Strategien im Technologiesektor nun genauer prüft und dadurch kleinere Zukäufe blockiert.
Teure Software-Käufe der Boomjahre belasten die Portfolios massiv
Während der Corona-Pandemie erwarben viele Private-Equity-Häuser zahlreiche Software-Anbieter zu extrem hohen Bewertungen. Heute stehen diese Portfoliodeals angesichts veränderter Marktbedingungen unter erheblichem Druck. Zwar machen die rund 1.200 Software-Firmen nur einen kleinen Teil der gesamten Bestände aus, doch binden sie überproportional viel Eigenkapital. Zusätzlich belasten steigende Schuldenberge die Performance dieser Unternehmen schwer. Viele Manager hatten beim Kauf darauf vertraut, dass das pandemiebedingte Wachstum beim digitalen Arbeiten dauerhaft anhält. Nach Einschätzung von Analysten des Marktforschungsunternehmens Gartner fielen die Umsatzmultiplikatoren für Standard-SaaS-Anbieter von vormals über 20 auf unter acht. Dieser Bewertungsverfall zwingt Fondsmanager zu hohen Abschreibungen auf den Buchwert.
Verschärft wurde die Situation zu Beginn des Jahres durch die deutlichen Kursverluste an den öffentlichen Aktienmärkten für Software-Aktien. Diese Korrektur resultierte vor allem aus den wachsenden Sorgen über die Disruption bestehender Software-Geschäftsmodelle durch künstliche Intelligenz. Wegen dieser veränderten Aussichten weigern sich die Finanzinvestoren nun, ihre Beteiligungen zu den aktuell niedrigeren Marktwerten zu veräußern. Nach Einschätzung des Finanzdienstleisters Raymond James (ISIN: US7547301015, WKN: 862737) erweisen sich die teuren Akquisitionen aus dem Jahr 2021 derzeit als am schwersten verkäuflich. Um den Blockaden zu entgehen, weichen einige Akteure zunehmend auf den Sekundärmarkt aus. Zusätzlich treibt das Inkrafttreten des EU-AI-Acts die Compliance-Kosten für Software-Portfolios in die Höhe, was die operativen Margen der Firmen weiter schmälert.
Ein belebter IPO-Markt bietet den Finanzinvestoren neue Auswege
Als Alternative zum klassischen Verkauf nutzen die Fonds vermehrt sogenannte Fortsetzungsvehikel. Diese speziellen Fondsstrukturen erlauben es den Initiatoren, Vermögenswerte länger zu halten und den bisherigen Anlegern gleichzeitig eine Ausstiegsoption zu bieten. Primär geht jedoch von der jüngsten Erholung des Marktes für Erstnotierungen eine echte strukturelle Entlastung aus. Nach einer längeren Phase der Inaktivität zeigt das Segment der Börsengänge deutliche Belebungstendenzen. Finanzinvestoren platzierten dabei im ersten Halbjahr insgesamt 16 Portfoliounternehmen erfolgreich am Aktienmarkt. Mit Blick auf das zweite Halbjahr berichtet die Investmentbank Morgan Stanley von einer vollen IPO-Pipeline wegen des dringenden Liquiditätsbedarfs vieler Unternehmen.
Laut Berichten des Datendienstleisters Preqin erlösten diese Transaktionen ein Gesamtvolumen von rund 10,1 Mrd. USD. Damit markieren die ersten sechs Monate des Jahres den erfolgreichsten Zeitraum seit dem Ende des vergangenen IPO-Booms Ende 2021. Besonders stark vertreten waren unter den Debütanten Unternehmen aus dem Rüstungssektor oder mit direktem Bezug zu KI-Technologien. Ein bemerkenswertes Beispiel lieferte das Technologieunternehmen Bending Spoons (ISIN: IT0005717696, WKN: A42FFQ), das bei seinem Börsendebüt rund 1,68 Mrd. USD einnahm. Direkt nach dem Handelsauftakt verzeichnete die Aktie des Konzerns einen deutlichen Kursgewinn von 40 %. In einer aktuellen Mitteilung an die Aktionäre betonte das Management von Bending Spoons, dass die Erlöse für weitere Konsolidierungen im Softwaremarkt genutzt werden sollen, um Skaleneffekte zu maximieren.