
KI-Ausgaben erhöhen Erfolgsdruck: Muse Image stellt Metas Produktkontrolle infrage
Muse Image soll künftig auch Metas Werbegeschäft unterstützen. Der Rückzug einer Profilfunktion zeigt jedoch, wie Datenschutzkonflikte die Einführung neuer KI-Produkte erschweren können.
Lesezeit 5 min
Der Technologiekonzern Meta Platforms (ISIN: US30303M1027, WKN: A1JWVX) entfernt wenige Tage nach dem Start die Profilreferenz von Muse Image. Das Bildmodell selbst bleibt aktiv. Abgeschaltet wurde nur die standardmäßig aktivierte Funktion, mit der Nutzer öffentliche Instagram-Konten per @-Nennung als Vorlage für neue Bilder auswählten. Die Ergebnisse ließen sich direkt in einem Feed, einer Story oder einem Chat teilen.
Der Rückzug legt eine Lücke im Freigabeprozess offen
Meta hatte Muse Image als erstes Bildmodell von Meta Superintelligence Labs in den KI-Assistenten Meta AI eingebunden. Das Modell verarbeitet Text- und Bildvorlagen und erlaubt Änderungen per Skizze. Zudem unterstützt es mehr als 30 Effekte für Instagram-Stories sowie die Bildgenerierung bei WhatsApp. Für die entfernte Profilreferenz galt ein Opt-out-Modell. Betreiber öffentlicher Konten mussten die Verwendung ihrer Bilder in den Einstellungen selbst deaktivieren.
Die Schauspielerin Hannah Einbinder kritisierte die automatische Aktivierung. Auch die US-Mediengewerkschaft SAG-AFTRA forderte eine klare vorherige Zustimmung und begrüßte den Rückzug. Meta erklärte, die Funktion habe ihr Ziel verfehlt.
Hohe KI-Ausgaben erhöhen den Druck auf neue Erlöse
Im ersten Quartal 2026 erzielte Meta 56,31 Mrd. USD Umsatz. Die Investitionsausgaben einschließlich Finanzierungsleasing erreichten 19,84 Mrd. USD. Im März nutzten täglich durchschnittlich 3,56 Mrd. Menschen mindestens eine App des Konzerns.
Für 2026 erwartet Meta Investitionsausgaben von 125 bis 145 Mrd. USD. Das sind jeweils 10 Mrd. USD mehr als bislang. Die Gesamtkosten sollen 162 bis 169 Mrd. USD erreichen. Im ersten Quartal erwirtschaftete der Konzern 12,39 Mrd. USD freien Cashflow. Werbung steuerte 55,02 Mrd. USD und damit knapp 98 % zum Quartalsumsatz bei.
Muse Image soll künftig über Advantage+ auch Anzeigenkunden und Agenturen erreichen. Die aktualisierte Produktseite hält an dieser Ankündigung fest. Der Rückzug der Profilreferenz lässt daher bislang keinen Rückschluss auf einen verzögerten Werberollout zu.
Der europäische Rechtsrahmen verschärft den Handlungsdruck
Die Kontroverse um die Profilreferenz betrifft vor allem Einwilligung und Nutzungsrechte. Beim weiteren Einsatz von Muse Image kommt eine zweite regulatorische Ebene hinzu. Ab dem 2. August 2026 gelten in der Europäischen Union neue Transparenzpflichten für bestimmte KI-Systeme. Anbieter müssen erzeugte oder manipulierte Inhalte, soweit technisch möglich, maschinenlesbar kennzeichnen. Betreiber müssen Deepfakes und bestimmte KI-Texte zu öffentlichen Themen zusätzlich sichtbar ausweisen.
Für Systeme, die bereits zuvor auf den Markt kamen, läuft eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Welche Vorgaben Muse Image im Einzelnen erfüllen muss, hängt von seiner rechtlichen Einordnung und den endgültigen Leitlinien der Europäischen Kommission ab. Für Meta steigt damit der Aufwand, Kennzeichnung, Einwilligung und Veröffentlichung über mehrere Plattformen hinweg einheitlich zu steuern.
Der breite Rollout verlangt einheitliche Prüfstandards
Muse Image ist bereits in Meta AI sowie in Funktionen von Instagram und WhatsApp eingebunden. Weitere Einsätze sind für Facebook, Messenger und die Werbeplattform Advantage+ angekündigt. Die entfernte Profilreferenz war zwar auf Meta AI begrenzt. Mit jedem zusätzlichen Einsatzgebiet wächst jedoch der Bedarf an einheitlichen Regeln für Einwilligung, Herkunftsnachweise und Veröffentlichung.
Andere Anbieter haben dafür bereits technische Verfahren etabliert. Der Softwarekonzern Adobe (ISIN: US00724F1012, WKN: 871981) versieht vollständig mit Firefly erzeugte Inhalte automatisch mit Content Credentials. Google, eine Tochter des Technologiekonzerns Alphabet (ISIN: US02079K3059, WKN: A14Y6F), markiert nach eigenen Angaben mehr als 100 Mrd. Bilder und Videos mit SynthID. Solche Herkunftsnachweise ersetzen keine Einwilligung, können aber Transparenz und nachträgliche Prüfung erleichtern.
Der einzelne Funktionsrückzug dürfte die Bewertung kaum beeinflussen. Relevanter wäre eine Serie ähnlicher Korrekturen, die Markteinführungen verzögert oder aufwendigere Prüfungen verlangt. Bislang hält Meta am breiteren Rollout von Muse Image fest. Für Anleger bleibt daher vor allem die weitere Umsetzung der KI-Investitionen relevant.