
Investor Woche: Zoll-Einigung zwischen USA und China, Steuerschätzung sieht sinkende Einnahmen für Deutschland, Trump schließt Deals in Nahost, Bayer, CanCambria Energy, UnitedHealth
Eine weitere freundliche Handelswoche an den Aktienmärkten geht zu Ende, nachdem es zwischen Washington und Peking zu deutlichen Entspannungssignalen im Handelsstreit kam.
Lesezeit 9 min
Top Meldungen
Marktentwicklung
Der DAX notierte am Freitagmittag rund 100 Punkte höher als zum Wochenauftakt, der S&P 500 nimmt nach deutlichen Gewinnen Kurs auf die Marke von 6.000 Punkten. Der NASDAQ 100 gewann in der Handelswoche fast 1.400 Punkte hinzu. Mit der Entspannung im Handelsstreit weicht die Luft aus der Goldrallye: Pro Feinunze werden gut 3.200 USD gezahlt. Der EUR/USD tendierte in dieser Woche seitwärts, der Druck auf den Greenback ist erstmal vorüber. Die 10-jährigen US-Renditen liegen bei 4,4 %.
USA und China einigen sich auf sinkende Zölle
Die US-Aktien legten sprunghaft zu und der technologielastige Nasdaq Composite startete in einen neuen Bullenmarkt, nachdem sich die USA und China auf deutliche Zollsenkungen als Ausgangsbasis für weitere Verhandlungen einigten. Der "gegenseitige" Zoll von Präsident Trump gegenüber China wird von 125 % auf 10 % gesenkt. Peking wird seine Vergeltungszölle auf US-Waren von 125 % auf 10 % senken. Für zunächst 90 Tage ist damit Entspannung angesagt.
Bundesregierung startet mit 5 % Ziel für Verteidigung und 81 Mrd. EUR Steuerschwund
Bundesaußenminister Johann Wadephul hat sich offen für eine deutliche Anhebung der deutschen Verteidigungsausgaben gezeigt: Insgesamt 5 % des BIP pro Jahr seien möglich, wenn neben 3,5 % für klassische Militärausgaben auch 1,5 % für militärisch nutzbare Infrastruktur gezählt würden.
Das Geld wird wohl aus Sondervermögen kommen müssen: Die jüngste Prognose des Arbeitskreises Steuerschätzung geht davon aus, dass die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden bis zum Jahr 2029 um 81,2 Mrd. EUR geringer ausfallen als noch bei der letzten Schätzung vorhergesagt. 33,3 Mrd. davon entfallen auf den Bund.
Trump mit großen Deals in Nahost
US-Präsident Donald Trump besucht mehrere Länder im Nahen Osten und präsentiert erwartungsgemäß große Summen. Der Staatsfonds Katars, QIA, plant, in den nächsten zehn Jahren weitere 500 Milliarden Dollar in den USA zu investieren – z.B. in künstliche Intelligenz, Rechenzentren und Gesundheitswesen. Die gesamte Wirtschaftszusage Katars fällt sogar noch deutlich höher aus (1,2 Bio. USD).
Auch andere Staaten der Region machten Zusagen. So wurden mit den VAE Verträge im Wert von 200 Mrd. USD abgeschlossen, darunter für KI, Flugzeuge, Öl- und Erdgasproduktion, Aluminiumhüttenprojekte und Galliumprojekte.
US-Wirtschaft verliert an Tempo
Die in dieser Woche veröffentlichten Daten zur US-Wirtschaft lassen indes überwiegend eine Abkühlung vermuten. Die Verbraucherpreise stiegen um 2,3 % gegenüber dem Vorjahr und damit den niedrigsten Stand seit Februar 2021. Allerdings dürften Einflüsse aus den Zöllen in den Daten nicht enthalten sein.
Die US-Erzeuger haben ihre Preise im April überraschend gesenkt: Um 0,5 % im Vergleich zum Vormonat. Ökonomen hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg von 0,2 Prozent gerechnet.
Die US-Unternehmen haben ihre Produktion laut einem Bericht der Notenbank im April konstant gehalten. Im März hatte es einen Rückgang von 0,3 % gegeben. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im April im Vergleich zum Vormonat um 0,1 %.
Bayer zieht Bankrott von Monsanto in Betracht
Bayer (ISIN: DE000BAY0017, WKN: BAY001) unternimmt einen weiteren Anlauf im Ringen um einen Vergleich bei Klagen, die das Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit Krebs in Verbindung bringen. Klagen sollen demnach vor dem Staatsgericht von Missouri beigelegt werden, wo die meisten Fälle anhängig sind.
Einen Plan B gibt es offenbar auch: Bayer prüft einem Bericht des Wall Street Journal zufolge einen Insolvenzantrag für sein Agrargeschäft mit Monsanto. Ein Antrag von Monsanto nach dem US-amerikanischen Verfahren "Chapter 11" würde die Klagen gegen die Sparte aussetzen, eine Beilegung vor dem Konkursgericht wäre dann möglich. Das Unternehmen hat offenbar bereits Restrukturierungsberater engagiert.
CanCambria Energy legt Ressourcenbewertungsbericht für Kiskunhalas vor
CanCambria Energy (ISIN: CA13740E1079, WKN: A3EKUB) legte diese Woche die Ergebnisse der unabhängigen Ressourcenbewertung des Unternehmens für das Kiskunhalas-Tight-Gas-Projekt in Südungarn vor.
Die beste Schätzung für die Mengen an bedingten Ressourcen beträgt demnach 627,4 Milliarden Kubikfuß (BCF) Erdgas und 66,5 Millionen Barrel (MMBBL) Kondensat/Flüssiggas (NGL) netto für das Unternehmen. Der Nettogegenwartswert (NPV 10 %) wird auf mindestens 1,58 Mrd. USD taxiert.
Unter der Lupe
UnitedHealth Group stürzt nach Ermittlungen weiter ab
Das US-Justizministerium ermittelt gegen die UnitedHealth Group (ISIN: US91324P1021, WKN: 869561) wegen möglichen kriminellen Medicare-Betrugs im Zusammenhang mit ihrem Medicare Advantage-Geschäft. Die Ermittlungen laufen offenbar bereits seit letztem Sommer.
Zudem handelt es sich nicht um die einzige Untersuchung, die gegen das Unternehmen läuft: Unter anderem aufgrund von Kartellrechtsverstößen laufen weitere Verfahren.
Doch die Probleme des Unternehmens reichen noch weiter: 2024 kam es aufgrund eines Hackerangriffs zu monatelangen Unterbrechungen der Zahlungen an Gesundheitsdienstleister. Ein Mitglied der Führungsebene wurde auf offener Straße getötet.
Im vergangenen Monat wurde die Geschäftsprognose drastisch gekürzt. In dieser Woche trat CEO Andrew Witty zurück, die Prognose wurde ganz kassiert. Zudem gibt es übergeordneten Kostendruck auf die gesamte Branche: Die Trump-Regierung und der Kongress wollen die staatlichen Gesundheitsausgaben kürzen.
Die UnitedHealth-Aktie hat sich in den vergangenen Jahren sehr schwach entwickelt und ist im allein vergangenen Monat um mehr als 50 % gefallen. Am Donnerstag fiel sie um 16 % und näherte sich ihrem niedrigsten Schlusskurs seit 2020.
Am Freitagvormittag kam es jedoch zu deutlichen Kursgewinnen. Bei allen Unsicherheiten vor allem im Zusammenhang mit behördlichen Ermittlungen gilt es zu bedenken, dass UnitedHealth für das US-Gesundheitssystem aufgrund seiner Reichweite kaum verzichtbar ist. Das zukunftsgerichtete KGV liegt unter 11. Wer antizyklische Investments schätzt, setzt die Aktie auf die Watchlist.
Chart der Woche
Bundesbank-Bericht: Das Vermögen der Deutschen ist real geschrumpft
Die Deutsche Bundesbank befragt Haushalte regelmäßig zu ihrem Vermögen. Die gute Nachricht vorweg: Von 2017 bis 2023 sind die Nettovermögen der privaten Haushalte sowohl nominal als auch real (inflationsbereinigt) gestiegen. Der Mittelwert erhöhte sich in diesem Zeitraum nominal um 40 % und real um 13 %. Der Median der Nettovermögen stieg im gleichen Zeitraum nominal um 46 % und inflationsbereinigt um 18 %. Der Median teilt die Haushalte gewissermaßen in der Mitte: Die Hälfte besitzt weniger als diesen Wert, die Hälfte mehr.
Die schlechte Nachricht: Zwischen 2021 und 2023 sank das Vermögen der Haushalte inflationsbereinigt. "Im Mittel verfügten die Haushalte in Deutschland im Jahr 2023 über ein Nettovermögen von rund 324 800 EUR und damit etwa 3 % mehr als noch 2021 (316 500 €). Inflationsbereinigt ergibt sich ein Rückgang von 268 700 € auf 239 200 EUR", heißt es in dem Bericht.
Der Median ist sogar sowohl nominal als auch real gesunken: Real von 90 500 EUR im Jahr 2021 auf 76 000 EUR im Jahr 2023, nominal um etwa 3.400 EUR auf 103.200 EUR.
Die Bundesbank erhebt auch Daten zur Art des Vermögens. So "korrelieren Immobilien- und Unternehmensbesitz stark mit hohen Vermögen." Auch Investmentfonds und Aktien sind demnach eher bei vermögenderen Haushalten zu finden. Vermögensärmere Haushalte setzen hingegen hauptsächlich auf Sparkonten und andere risikoarme Anlageformen. Eine gute Nachricht zum Schluss: "Allerdings steigt der Anteil der Haushalte, die in Fonds oder Aktien investieren, nun schon seit mehreren Jahren an." Die nächste Erhebung ist für 2026 geplant.

Fun Facts
Tik Tok Erfinder ist reichster Chinese
Viele reiche Menschen aus westlichen Ländern sind uns bekannt – Elon Musk etwa, Warren Buffett oder Bill Gates. Doch wer ist der reichste Chinese? 2025 gebührt dieser Titel Zhang Yiming, dem Gründer und CEO von ByteDance, der auch Eigentümer von TikTok ist. Sein Vermögen wird auf rund 65,5 Mrd. USD geschätzt.
Warren Buffetts schlechtestes Investment
Warren Buffett ist für eine Vielzahl erfolgreicher Investitionen bekannt. Was war seine schlechteste Investition? Kein Witz: Berkshire Hathaway. Das Textilunternehmen, das er 1965 übernahm, verlor jahrelang Geld, bevor Buffett es 1985 endgültig schloss.
