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Champions League ViertelfinaleIn der Königsklasse des Fußballs treten auch Private Equity und Venture Capital gegeneinander an

Institutionelle Investoren erwerben massiv Beteiligungen an Fußballclubs und legen dafür dreistellige Millionensummen auf den Tisch. Im aktuellen Champions League Viertelfinale sind fünf Teams mit solchen Investoren im Rücken vertreten.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Getty Images / Unsplash

Bei Paarungen wie Bayern München vs. Real Madrid und Paris St. Germain vs. Liverpool läuft Fußballfans das sprichwörtliche Wasser im Munde zusammen. Doch die Begegnungen im laufenden Viertelfinale der Champions League sind nicht rein sportlicher Natur: Auch das Geld spielt mit. Die Hälfte aller noch im Turnier verbliebenen Vereine hat Verbindungen zu Private-Equity-, Venture-Capital- oder Private-Debt-Gesellschaften.

Real Madrid sanierte Bernabéu mit 360 Mio. von Investoren

Real Madrid etwa schloss einen Deal mit der kalifornischen Investmentfirma Sixth Street und dem Erlebnismarketing- und Hospitality-Unternehmen Legends ab. Das bescherte den Königlichen 360 Mio. EUR, die in die Renovierung des altehrwürdigen Bernabéu Stadions investiert wurden. Im Gegenzug erhält Sixth Street über 20 Jahre das Recht, am Bernabéu neue Geschäftsbereiche mitzubenutzen und mitzugestalten - von Konzerten über Events bis hin zu Corporate-Formaten.

Der ewige Rivale Reals, der FC Barcelona, hat ebenfalls einen Deal mit Sixth Street abgeschlossen und sich 2022 in zwei Schritten insgesamt 25 der LaLiga TV-Einnahmen gesichert. Der Preis: Mehr als 500 Mio. EUR. Goldman Sachs war zudem mit Private Debt Instrumenten zur Stelle, als der Club Geld benötigte.

Der dritte spanische Club im diesjährigen Viertelfinale, Atlético Madrid, vereinbarte im Herbst 2025 einen Deal mit Apollo Sports Capital, der globalen Sportinvestmentgesellschaft und Tochtergesellschaft von Apollo: Die Amerikaner sind mit einem Anteil von 55 % ab sofort neuer Mehrheitsaktionär.

"Es ist ein Deal, der die tektonischen Platten des europäischen Fußballs verschiebt und den Einfluss von Private Equity in den nationalen Ligen auf ein neues Level hebt", kommentierte "Investmentweek" die Transaktion. Die Bewertung des Vereins beläuft sich damit Insidern zufolge auf etwa 2,5 Mrd. EUR.

"Teil einer aggressiven Expansionsstrategie US-amerikanischer Fonds"

"Der Einstieg von Apollo ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil einer aggressiven Expansionsstrategie US-amerikanischer Fonds im europäischen Fußball. Nach der Premier League wird nun verstärkt die spanische La Liga zum Ziel von Investoren, die auf die langfristige Steigerung der TV-Einnahmen und digitale Erlösmodelle setzen", erläuterte Investmentweek weiter.

Der FC Liverpool kennt den Umgang mit institutionellen Investoren schon lange: Bereits 2010 wurde der Club für rund 300 Mio. GBP an Arctos Sports Partners verkauft. Die US Private Equity Gesellschaft Dynasty Equity erwarb im September 2023 einen Minderheitsanteil.

Die Veräußerung diente aus Sicht des Clubs primär der Tilgung von Bankschulden, die während der globalen Pandemie entstanden waren, der Finanzierung von Investitionen in die Modernisierung des Anfield-Stadions, dem Bau des AXA-Trainingszentrums, dem Rückkauf des Trainingsgeländes Melwood und einigen Transfers.

Bei Paris St. Germain sind Großinvestoren ebenfalls bereits lange Usus: 2011 erwarb der Staatsfonds des Emirats Katar über den Arm Qatar Sports Investments den Club. Im Dezember 2023 verkaufte der Fonds eine Minderheitsbeteiligung an Arctos.

Insgesamt verfügten mehr als 36 % der europäischen Fußballvereine in den "Big Five"-Ligen zu Beginn der Saison 2025/26 über finanzielle Unterstützung von Private-Equity-, Venture-Capital- oder Private-Debt-Firmen. Viele der Investoren sind Multi-Club-Besitzer (MCOs): Diese in der Regel US-amerikanische Investoren sind an gleich mehreren Vereinen beteiligt.