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Agenten an der KassePayPal öffnet Checkout für Metas Muse

KI-Agenten beginnen, selbstständig Produkte zu suchen und Käufe abzuwickeln. Für Zahlungsdienste verschiebt sich damit die Kundenschnittstelle. PayPal will im neuen Handelskanal präsent bleiben, während andere Plattformen den Zugang bewusst begrenzen.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: PayPal

Der US-Zahlungsdienstleister PayPal ISIN US70450Y1038 WKN A14R7U bindet Muse, den KI-Agenten des Technologiekonzerns Meta ISIN US30303M1027 WKN A1JWVX, an sein weltweites Händlernetz an. Nutzer sollen Produkte suchen und den Bezahlvorgang direkt über den Assistenten abschließen können. PayPal erweitert damit die Zahlungsoptionen von Muse, das bereits seit seinem Start Einkäufe abwickeln kann. Die Börse reagierte zunächst verhalten. Kurz nach der Ankündigung stieg die PayPal-Aktie um 0,5 %.

Muse wird zur neuen Schnittstelle im Onlinehandel

Am 8. September stellte Meta Muse als persönlichen KI-Agenten vor. Der Assistent kann Aufgaben übernehmen, Formulare ausfüllen, Reisen buchen und Käufe vorbereiten. Laut Meta läuft Muse in einer abgeschirmten virtuellen Umgebung mit eigenem Browser. Zugangsdaten werden dort gespeichert, ohne dass der Agent Passwörter oder Zahlungsmittel unmittelbar sehen soll. Ein separates Kontrollsystem prüft Internetaktionen und fordert vor sensiblen Vorgängen wie Käufen eine Freigabe des Nutzers an. Muse verzeichnete schon kurz nach dem Start hohe Downloadzahlen. Nach Schätzungen des Marktforschers Apptopia kam es in den ersten zwölf Tagen auf insgesamt 2,8 Mio. Installationen.

Schon vor dem PayPal-Deal konnte Muse Zahlungen abwickeln. Das US-amerikanische Finanztechnologieunternehmen Stripe integrierte zum Start seine digitale Geldbörse Link in den Agenten. Bei mehr als einer Million Unternehmen, die Link akzeptieren, kann Muse für US-Nutzer eine dort gespeicherte Zahlungsmethode verwenden. Andernorts stellt Link eine virtuelle Einmalkarte für den zuvor genehmigten Kauf aus.

PayPal baut an Infrastruktur für KI-Käufe

Muse ist für PayPal deshalb kein isoliertes Experiment. Das Unternehmen baut bereits eine Infrastruktur auf, über die KI-Systeme Produkte finden und im Auftrag von Nutzern Käufe anstoßen können.

Im Februar übernahm PayPal die israelische Handelssoftware-Plattform Cymbio, deren Technik Händlerkataloge für solche KI-Dienste aufbereitet. Über diese Infrastruktur verbindet PayPal Händler bereits mit den KI-Diensten Perplexity und Copilot. Nach Unternehmensangaben soll sie langfristig Produkte von mehreren zehn Millionen Händlern für KI-Kanäle zugänglich machen. PayPal versucht damit, mehr als den eigentlichen Bezahlvorgang abzudecken.

Die Größe des bestehenden Zahlungsnetzes macht diesen Ansatz wirtschaftlich interessant. PayPal meldete für das zweite Quartal 439 Mio. aktive Konten und ein Zahlungsvolumen von 486,4 Mrd. USD. Dieses Volumen stammt allerdings aus dem gesamten Geschäft.

Auch das Management dämpft kurzfristige Erwartungen. PayPal erwartet, dass agentische Zahlungen und digitale Identität ab 2028 und darüber hinaus zunehmend bedeutende Beiträge zum Geschäft leisten. Der Muse-Deal ist daher eher Infrastrukturarbeit als ein kurzfristiger Ergebnistreiber.

Offene und geschlossene Plattformen prallen aufeinander

Die kanadische E-Commerce-Plattform Shopify ISIN CA82509L1076 WKN A14TJP hatte kurz zuvor ebenfalls eine Muse-Anbindung angekündigt. Der Agent soll Produkte seiner Händler finden und Käufe über Shopifys Bezahldienst Shop Pay abschließen. Shopify öffnet damit einen weiteren großen Händlerbestand für Einkäufe, bei denen ein KI-Agent zwischen Kunde und Shop steht.

Der US-Onlinehändler Amazon ISIN US0231351067 WKN 906866 geht einen anderen Weg. Der Konzern blockierte Muse auf seiner Website und verwies auf Regeln für nicht autorisierte automatisierte Zugriffe. Amazon erklärte gegenüber Business Insider, Anwendungen anderer Unternehmen müssten transparent agieren und respektieren, wenn ein Dienst nicht teilnehmen wolle.

Der Konflikt betrifft die Kontrolle über die Kundenschnittstelle. Wer einen fremden Agenten zulässt, gibt einen Teil des direkten Kundenzugangs an dessen Betreiber ab. Wer ihn blockiert, hält Suche, Werbung und Kaufprozess stärker im eigenen System. Für Zahlungsdienste entsteht daraus eine neue strategische Aufgabe. Sie müssen dort verfügbar sein, wo Kunden künftig ihre Kaufentscheidung treffen und den Auftrag an einen Agenten übergeben.

Für PayPal zählt tatsächliche Nutzung

Die Investmentbank J.P. Morgan sieht das Potenzial, dass Muse zur am weitesten verbreiteten Verbraucher-KI-Anwendung seit ChatGPT werden könnte. Diese Einschätzung ist eine frühe Prognose und kein Beleg für dauerhaftes Nutzerverhalten.

Für PayPal fehlen bislang konkrete Angaben zu Erlösen oder erwarteten Transaktionsvolumen aus der Partnerschaft. Maßgeblich wird sein, wie häufig Verbraucher KI-Agenten tatsächlich mit Käufen beauftragen. Ebenso wichtig ist, wie viele Händler und Plattformen den nötigen Zugang dauerhaft gewähren. Sollten KI-Agenten zur neuen Eingangstür des Onlinehandels werden, will PayPal den Zahlungsverkehr nicht anderen überlassen. Dafür positioniert sich der Konzern nun an möglichst vielen dieser digitalen Kassen.