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Investor WocheSchulden der USA, Trumps Autozölle, Tesla, Ferrari, Porsche, Mercedes, Vestas, Orsted, Gilead Sciences

Die Aktienmärkte bewegten sich seitwärts, während Trumps neue Autozölle Schockwellen in der Branche auslösten. Moody’s warnt vor einem möglichen Verlust des US-AAA-Ratings. Grüne Aktien leiden unter Unsicherheiten, doch langfristige Investitionen steigen. Gilead Sciences nähert sich dem Allzeithoch.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 9 min
Titelbild: picture alliance / AP / Martin Meissner

Makro Ticker

Aktienmärkte bleiben nach Auto-Zöllen im Seitwärtsmodus, Moody's zählt US-Rating an, Gold bleibt stark

Die Aktienmärkte haben sich in dieser Woche weitgehend seitwärts bewegt. Sowohl der Dow Jones als auch der S&P 500 notierten am Donnerstagabend weniger als 1 % entfernt von ihren Kursen zum Wochenstart. Der NASDAQ 100 gab rund 1 % ab. Einen etwas deutlicheren Rückgang um mehr als 500 Punkte verzeichnete am Freitag der DAX: Die fiskalpolitischen Kursphantasien scheinen hier vorerst ausgeschöpft. Der Goldpreis indes setzte seinen Aufwärtstrend fort und notierte zeitweise bei 3.085 USD pro Feinunze.

Trumps Autozölle lösen Schockwellen in der Branche aus

Donald Trump hat am Donnerstag Einfuhrzölle in Höhe von 25 % auf Fahrzeuge und Fahrzeugteile angekündigt. "Jahrelang wurden wir von praktisch jedem Land der Welt abgezockt", schrieb er im Netzwerk Truth Social. "Aber diese Zeiten sind vorbei." Dem Post zufolge sollen die Zölle am 03. April in Kraft treten. Bei der Unterschrift unter die Proklamation zur Einführung der Zölle drohte er gleichzeitig der EU und Kanada mit härteren tarifären Maßnahmen, sollte diese zusammenarbeiten, um den USA "wirtschaftlichen Schaden zuzufügen."

Die Auswirkungen der Zölle sind absehbar gravierend. Laut Daten von S&P Global Mobility wurde im vergangenen Jahr fast die Hälfte der in den USA verkauften Fahrzeuge importiert. In dem Land betreiben viele große Hersteller insgesamt knapp 40 Werke, in denen fast 3 Millionen Fahrzeuge für den US-Markt produziert wurden, der rund 40 % der Autoteile aus dem Süden bezieht.

Am härtesten trifft es unter den exportierenden Ländern Mexiko, das im vergangenen Jahr Autos im Wert von 78,5 Mrd. USD zum nördlichen Nachbarn exportierte. Auch Japan (39,73 Mrd. USD), Südkorea (36,64 Mrd. USD), Kanada (31,16 Mrd. USD) und Deutschland (24,78 Mrd. USD) sind von den Zöllen stark betroffen.

Unter den Automobilherstellern sind Mercedes (ISIN: DE0007100000, WKN: 710000) und Porsche (ISIN: DE000PAG9113, WKN: PAG911) besonders betroffen: Die Zölle könnten laut Bloomberg Intelligence rund ein Viertel der für 2026 prognostizierten operativen Gewinne zunichtemachen.

Die Aktien der beiden Unternehmen gaben am Donnerstag ebenso deutlich nach wie jene von Volkswagen (ISIN: DE0007664039, WKN: 766403) und anderen Autobauern. General Motors (ISIN: US37045V1008, WKN: A1C9CM) büßte mit knapp 10 % am stärksten ein. Tesla (ISIN: US88160R1014, WKN: A1CX3T) dagegen, das fast alle in den USA verkauften Fahrzeuge auch dort produziert, konnte ebenso leicht zulegen wie Ferrari (ISIN: NL0011585146, WKN: A2ACKK), dessen Käufer als wenig preissensibel gelten.

Moody's warnt USA vor AAA-Verlust

Die Ratingagentur Moody's hat vor einer Erosion der Schuldentragfähigkeit der USA und indirekt vor dem Verlust des AAA-Ratings gewarnt, das die Agentur als letzte ihrer Zunft dem Land noch einräumt.

Die Politik von US-Präsident Trump könnte demnach die Schuldentragfähigkeit des Landes untergraben, wodurch neben der Position des US-Marktes auch der Dollar gefährdet werde.

Wie Analysten der Ratingagentur in einem Bericht schreiben, stellen die Zollpolitik, Steuersenkungen ohne Gegenfinanzierung sowie die eingegangenen Wachstums- und Preisrisiken potenziell negative Aspekte für die Bonität des Landes dar.

So müssten selbst in einem optimistischen Szenario mit einem anhaltenden realen BIP-Plus von 3 % und zugleich 3 % Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen erhebliche Rückgänge bei den Staatsausgaben realisiert werden.

Die Schuldentragfähigkeit der USA werde sich deshalb auf einem wesentlich niedrigeren Niveau als bei anderen Staaten mit AAA-Rating stabilisieren.

Unter der Lupe

Grüne Aktien

Die Älteren werden sich erinnern: Grüne Aktien galten zeitweise als Hoffnungsträger. Der S&P Global Clean Energy Transition Index (früher: S&P Global Clean Energy Index) zählte zu den Stars des ersten Pandemiejahres 2020.

Ende März 2020 notierte der Index, dessen Schwerpunkt auf Solar- und Windkraft liegt, bei gut 600 Punkten, knapp 10 Monate später dann bei mehr als 2.100 Punkten. Übrig blieben 736 Punkte: Die einstigen Highflyer-Aktien im Index haben seit dem Höchststand rund zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt.

Erst machten steigende Zinsen und Inflation vielen Unternehmen aus dem Sektor das Leben schwer: Höhere Projektkosten und mehr politische Unsicherheit belasteten die Kurse. Zuletzt sorgte unter anderem die Entscheidung von Donald Trump, Mittel für grüne Projekte aus dem Inflation Reduction Act (IRA) einzufrieren, für schlechte Stimmung.

Hohe Kursverluste erlitten jedoch nicht nur Aktien mit Bezug zu erneuerbaren Energien, sondern auch andere Titel aus dem Bereich "grün und nachhaltig". Beyond Meat (ISIN: US08862E1091, WKN: A2N7XQ) etwa kostete im Januar 2021 noch mehr als 192 USD. Aktuell notiert der Kurs bei 3,31 USD – ein Minus von mehr als 95 %.

Doch möglicherweise hat der Sektor das Schlimmste hinter sich. Die Stimmung jedenfalls ist miserabel. Deirdre Cooper, Leiterin für nachhaltige Aktien beim globalen Investmentmanager Ninety One, sagte gegenüber "FT", sie habe "noch nie eine so pessimistische Bewertung von Unternehmen mit strukturellem Wachstum erlebt."

Dabei ist der Sektor alles andere als abgeschrieben. S&P Global Commodity Insights erwartet, dass die Investitionen im Upstream-Bereich angetrieben durch Solarenergie und Batteriespeicher im Jahr 2025 erstmals die Ausgaben für Öl und Gas übertreffen werden.

Zumindest fällt im Hinblick auf den S&P Global Clean Energy Transition Index auf, dass sich die enthaltenen Aktien sehr unterschiedlich entwickelt haben. Iberdola (ISIN: ES0144580Y14, WKN: A0M46B) etwa verzeichnet auf Sicht von 5 Jahren ein Plus von 66 %, Vestas (ISIN: DK0061539921, WKN: A3CMNS) ein Minus von knapp 9 %, Chubu Electric Power (ISIN: JP3526600006, WKN: 853840) gab um 18 % nach. SolarEdge (ISIN: US83417M1045, WKN: A14QVM) verlor mehr als 80 %.

Sind Vestas und Orsted unterbewertet?

Doch angesichts der anhaltenden Investitionen in den Dekarbonisierungssektor und der schlechten Stimmung kommen auch antizyklische Überlegungen auf, die einige Unternehmen als unterbewertet betrachten. Morningstar etwa sieht solche Unterbewertungen unter anderem bei Vestas und Orsted (ISIN: DK0060094928, WKN: A0NBLH).

Matthew Donen, Senior Equity Analyst bei Morningstar etwa schreibt: "Unsere Prognosen preisen ein, dass Vestas in der Lage sein wird, im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz zwischen der Prognose von 18 Mrd. EUR und 20 Mrd. EUR für das Gesamtjahr zu erzielen."

Morningstar stellt für Orsted fest, dass sich das Unternehmen von unrentablen Projekten getrennt habe. Donald Trump trage zwar mit dem Verbot für Genehmigungen für Offshore-Windparks zur Verunsicherung im US-Geschäft bei. Die beiden genehmigten Parks des Unternehmens seien aber bereits im Bau und davon nicht betroffen.

Chart der Woche

Gilead Sciences: Kurs auf Allzeithoch

Das Allzeithoch aus dem Jahr 2015 rückt in Schlagdistanz: Die Aktie von Gilead Sciences (ISIN: US3755581036, WKN: 885823) hat sich nach einer kurzen Schock-Korrektur wieder gefangen und könnte Kurs auf das bisherige Allzeithoch bei 122 USD aus Juni 2015 nehmen. Aktuell notiert der Kurs bei 111 USD, nachdem im Dezember eine mehrjährige Konsolidierungsphase nach oben verlassen wurde. Im März hatten Kürzungspläne des US-Gesundheitsministeriums die Aktie zeitweise unter Druck gesetzt.

Aktie Gilead Sciences, Stand 28.03.2025
Aktie Gilead Sciences, Stand 28.03.2025
Bildquelle: Tradingview

Fun Facts

Die erste Aktie stammt aus dem Jahr 1288

Die erste verbriefte Beteiligung an einem Unternehmen datiert aus dem Jahr 1288 und stammt aus Schweden: Eigentümer besaßen mit dem Papier ein Achtel an der schwedischen Kupfermine Falun. Das damals entstandene Unternehmen Stora Enso (ISIN: FI0009005961, WKN: 871004) ist heute das zweitgrößte Forstunternehmen der Welt. Die Mine existiert als Weltkulturerbe immer noch.

Elon Musk war nicht der Gründer von Tesla

Immer wieder zitieren Medien Sprüche von "Tesla-Gründer Elon Musk". Doch Musk hat Tesla gar nicht gegründet – sondern Martin Eberhard und Marc Tarpenning im Juli 2003. Im Februar 2004 führte Musk die erste Finanzierungsrunde des Unternehmens an und wurde Chairman.