
Investor Woche: China schränkt Seltenerdexporte ein, deutsche Exporte schwach, Ottobock und Verisure mit gelungenem IPO, Novo Nordisk, N8n, BMW, Aurubis
China schränkt den Export Seltener Erden ein, Deutschlands Exporte stürzen im August regelrecht ab. Ottobock und Verisure mit starkem IPO-Debüt. Novo Nordisk will Akero Therapeutics übernehmen. N8n überholt Lovable. BMW senkt Prognose und Aurubis will Kupferpreise erhöhen.
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Marktentwicklung
Die Märkte bewegen sich weiter nach oben: Mehre Indizes, darunter der DAX, markierten in dieser Woche neue Allzeithochs. Die immer lauter geäußerten Sorgen um eine mögliche KI-Blase lassen die Marktteilnehmer bislang kalt. Am Freitagmittag notierte der NASDAQ-100 bei gut 25.100 Punkten und lag auf Wochensicht mehr als 1 % im Plus. Der S&P 500 notierte bei 6.735 Punkten und damit ebenfalls im grünen Bereich, der DAX konnte seit dem Wochenbeginn rund 0,80 % zulegen. Gold knackte die Marke von 4.000 USD, Silber überstieg 51 USD. Der EUR/USD fiel unter 1,16 zurück.
Topmeldungen
China eskaliert bei Seltenen Erden
Das chinesische Handelsministerium teilte am Donnerstag mit, dass ausländische Lieferanten für den Export bestimmter Produkte mit bestimmten Seltenen Erden aus China eine Genehmigung Pekings einholen müssen. Damit wird der Export von Rohstoffen, die für E-Autos, Smartphones und Windturbinen ebenso unerlässlich sind wie für militärische Güter, deutlich erschwert. Die Volksrepublik verfügt auf dem Markt für Seltene Erden über eine dominierende Stellung. Exportanträge für Produkte mit militärischer Nutzung würden grundsätzlich nicht genehmigt, erklärte das Ministerium. Lizenzen für die Entwicklung von Halbleitern oder künstlicher Intelligenz sollen von Fall zu Fall entschieden werden.
Deutsche Exporte fallen im August deutlich
Die deutschen Exporte gingen im August im Vergleich zum Vormonat um 0,5 % zurück. Dies teilte Destatis am Donnerstag mit. Der Rückgang fiel damit stärker aus als erwartet. Die Importe sanken um 0,30 %. Die Exporte in andere EU-Länder sanken um 2,5 %, die Ausfuhren in Drittländer legten dagegen um 2,2 % zu. Die Exporte in die USA verzeichneten den fünften monatlichen Rückgang in Folge und sanken um 2,5 %, die Ausfuhren nach China legten um 5,4 % zu.
Ottobock und Verisure mit erfolgreichem IPO
Der erste Kurs der Ottobock Aktie (ISIN: DE000BCK2223, WKN: BCK222) lag mit 72 EUR deutlich über dem Ausgabekurs von 66 EUR. Doch Skepsis bleibt: "Der Ottobock-Börsengang muss sich dem Vorwurf stellen, dass sich größtenteils Altaktionäre mit hohen Krediten saniert haben", moniert etwa Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst beim Broker CMC Markets. Am Freitagmittag notierte die Aktie des Prothesenherstellers knapp unter 70 EUR.
Die Aktie des Sicherheitsdienstleisters Verisure (ISIN: GB00BVMN1558, WKN: A41MLK) startete am Mittwoch an der Börse Nasdaq in Stockholm mit einem Kurssprung um 13% auf 15 EUR in den Handel. Der Ausgabepreis war am oberen Ende der Spanne bei 13,25 EUR festgelegt worden und bewertet das Schweizer Unternehmen mit 13,7 Mrd. EUR. Für den Börsenplatz Stockholm ist Verisure der größte Börsengang seit 25 Jahren.
Novo Nordisk will Akero Therapeutics kaufen
Novo Nordisk (ISIN: DK0062498333, WKN: A3EU6F) will für bis zu 5,2 Mrd. Dollar die US-Biotechfirma Akero Therapeutics übernehmen - und damit auch den Zugriff auf ein experimentelles Medikament gegen eine schwere Form der Fettlebererkrankung. Novo bietet 54 USD Cash pro Akero-Aktie, was einem Zuschlag von 16 % auf den letzten Schlusskurs entspricht. Weitere 6 USD je Aktie gibt es, wenn das Medikament Efruxifermin bis Mitte 2031 eine vollständige US-Zulassung erhält.
N8n wird mit 2,5 Mrd. USD bewertet
Das Startup N8n bietet KI-gestützte Programmierhilfen an - und hat nach einer neuen Finanzierungsrunde nun den Konkurrenten Lovable überholt. 180 Mio. USD wurden eingesammelt. Unter den Investoren waren unter anderem die Deutsche Telekom, NVIDIA und Accel. N8n hat nach eigenen Angaben den Umsatz 2024 verzehnfacht, nennt aber keine weiteren Details.
BMW senkt Prognose
Schlechte Nachrichten bei BMW (ISIN: DE0005190003, WKN: 519000): Die Münchner korrigierten die Prognose für das laufende Jahr nach unten, woraufhin die Aktie auf Talfahrt ging. Das Unternehmen rechnet nur noch mit einer Marge von 5-6 % nach 5-7 % in der bisherigen Prognose. Der Vorsteuergewinn soll leicht zurückgehen anstatt zu stagnieren. Vor allem in China entwickelt sich der Absatz schwach, auch die Zölle belasten.
Aurubis erhöht Kupferpreise
Aurubis will offenbar die Prämie auf den Kupferpreis für Kunden in Europa um rund 40 % erhöhen. Dies berichtet jedenfalls Bloomberg. Pro Tonne soll die Prämie demnach von 228 USD (dieser Preis gilt seit 2023) auf 315 USD steigen. Die Prämie versteht sich als Aufschlag, den die Kunden zusätzlich zum LME-Preis zahlen. Aurubis kommentierte die Meldungen nicht, sieht aber eine starke Kupfernachfrage und eine, bedingt durch den schwächeren USD, starke europäische Kaufkraft.
Unter der Lupe
Critical Metals Aktie auf Höhenflug: Gerüchte über Einstieg der Regierung
Die Aktie von Critical Metals (ISIN: VGG2662B1031, WKN: A40755) hat allein im letzten Monat um mehr als 150 % zugelegt; in den letzten drei Monaten summiert sich das Plus sogar auf 440 %. Critical Metals exploriert das Tanbreez-Projekt in Grönland. Dieses besitzt nach Ansicht des Unternehmens das Potenzial, Nordamerika und Europa mit Seltenen Erden zu versorgen. Der 4,7 Mrd. Tonnen umfassende Erzkörper soll über 27 % schwere Seltene Erden enthalten, die deutlich wertvoller sind als leichte Seltene Erden.
Allein in dieser Woche konnte Critical Metals einige Erfolge vermelden: Ein Investor stellte 35 Mio. EUR zur Verfügung, mit REalloys wurde ein Offtake-Agreement über 15 % der künftigen Produktion abgeschlossen. Bereits im August hatte die DoW-finanzierte Ucore Rare Metals eine Abnahmevereinbarung über 10 % unterzeichnet. Eine PEA liegt bereits vor, die Exploration schreitet jedoch weiter voran: Im September wurden neue Ergebnisse aus dem Bohrprogramm 2024 präsentiert, die eine "massive Mineralisierungserweiterung" zeigten.
Ein wichtiger Kurstreiber sind jedoch Gerüchte um den möglichen Einstieg der US-Regierung. In den vergangenen Monaten hatte diese mehrere Beteiligungen im Rohstoffsektor bekanntgegeben, darunter solche an Lithium Americas (ISIN: CA53681J1030, WKN: A3ERHF) und MP Materials (ISIN: US5533681012, WKN: A2QHVL). Die Märkte sehen in Critical Metals einen aussichtsreichen Kandidaten für den nächsten Deal.
Grafik der Woche
Silberpreis über 50 USD: Der Schatten der Gebrüder Hunt verblasst endlich
Der Silberpreis hat in dieser Woche ein neues Rekordhoch markiert: Am Donnerstag wurden erstmals mehr als 51 USD pro Feinunze gezahlt. Nach einem kurzen Rücksetzer am Donnerstagabend zogen die Kurse am Freitag wieder an. Der Silberpreis hat damit seit dem Jahresbeginn um rund 70 % zugelegt und sogar Gold abgehängt, das sich ebenfalls auf Rekordjagd befindet. Damit wurde das letzte Hoch aus dem Jahr 2011 überschritten, charttechnisch ist der Weg zu neuen Höhen also frei. Der Silberpreis löst sich außerdem aus dem bis heute sichtbaren Schatten der Vergangenheit: In den 1970er Jahren hatten die Gebrüder Hunt durch massive Käufe am Spot- und Terminmarkt eine Spekulationsblase aufgeblasen, die 1980 schließlich spektakulär platzte.
Auch damals war der Preis pro Feinunze zeitweise nahe an die Marke von 50 USD geklettert. Die Börsenaufsicht beendete die Spekulationsblase damals mit der Silver Rule 7 und verordnete, dass an der COMEX fortan keine neuen Longpositionen mehr eröffnet werden durften. Übrigens: Der letzte der Gebrüder Hunt - William Herbert - starb im Jahr 2024 und war zu diesem Zeitpunkt laut Forbes 5,3 Mrd. USD schwer, nachdem er 1990 infolge der am Silbermarkt erlittenen Verluste Bankrott angemeldet hatte. Sein späteres Vermögen hatte er mit Öl verdient.

Bildquelle: Verumo, Tradingview
Fun Fact
100.000 USD-Note: Es gibt sie wirklich
Falls Günther Jauch einmal fragt, wessen Konterfei den 100.000 USD-Schein ziert: Es handelt sich nicht um eine Fangfrage. Die Einhunderttausend-US-Dollar-Banknote ist tatsächlich ein offizieller Geldschein der USA (und zeigt Woodrow Wilson). Die Scheine wurden vom 18. Dezember 1934 bis zum 9. Januar 1935 als Gold-Zertifikate gedruckt. Dem gewöhnlichen öffentlichen Gebrauch dienten die Banknoten aber nie: Sie wurden für Transaktionen zwischen Kreditinstituten verwendet. Ein offizielles und bis heute gültiges Zahlungsmittel sind die Noten dennoch.

